Ist ein Smartphone für Senioren empfehlenswert?

Smartphones können in der Seniorenpflege eine deutliche Bereicherung darstellen – das sind die Vorteile und Nachteile.
Ist ein Smartphone für Senioren empfehlenswert?
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Inhaltsverzeichnis

Das Smartphone ist bei der jüngeren Generation fest im Alltag verankert, von Senioren wird es aber oft diskreditiert. Seltsamerweise revidiert die Generation, die ohne Handy aufgewachsen ist, nach einer kurzen Einweisung in den Gebrauch des Mobiltelefons ihre Meinung regelmäßig. Das mag daran liegen, dass sie sehr schnell verstehen, dass ein Handy auch für einen Rentner von Vorteil sein kann. Die Nutzung eines Smartphones ist gerade älteren Menschen zu empfehlen - und das nicht nur, um den Anschluss an die Kinder und Enkel nicht zu verlieren.

Was sind Vor- und Nachteile von Senioren Smartphones?

  • Smartphones versprechen im Allgemeinen mehr Sicherheit im Notfall. Aber nur, wenn das Gerät mit sich geführt wird und aufgeladen ist! Darum sollten dem Rentner nach Erhalt des Mobiltelefons entsprechende Rituale eingeführt werden.

Tipp

Klappt das nicht, und das Smartphone wird zu oft zu Hause vergessen, bieten sich beispielweise eine Smartwatch oder eine Demenz-Uhr als sichere Alternative an.

  • Während das Telefon am Festnetzanschluss nur eine bestimmte Reichweite hat, ist der Rentner per Mobiltelefon immer erreichbar. Auch dann, wenn er z. B. für einige Zeit ins Krankenhaus muss.
  • Das Smartphone kann ein effektives Werkzeug sein, um die geistigen und kognitiven Fähigkeiten eines älteren Menschen zu fördern bzw. deren Verfall zu verhindern.

Tipp

Leidet die Person an Arthritis, Rheuma oder Gicht, sollte ein Smartphone mit Tasten bevorzugt werden, da sonst das Gerät nur für Frust beim Nutzer sorgen würde. Mit diesen Krankheiten sind Smartphones mit Touch Display nur schwer zu bedienen, wohingegen jene mit Tasten die Bedienung erleichtern.

  • Natürlich bietet das Mobiltelefon auch die Möglichkeit, dass ein alter Mensch selbst bei starken körperlichen Gebrechen weiterhin Kontakt mit seinen Bekannten, Freunden und Verwandten halten kann.
  • Gerade am Anfang kann ein Smartphone sehr schnell zu Überforderung führen. Hier hilft es nur, dranzubleiben und sich von der neuen Technik nicht abschrecken zu lassen. Verwandte/Bekannte können dem Senior erste Schritte der Bedienung zeigen, wodurch der Zugang zur Funktionsweise des Seniorenhandys erleichtert wird.
  • Spam-Anrufe sind, wie auf dem Festnetz, auch beim Mobiltelefon keine Seltenheit. Diesen kann aber entgegengewirkt werden, indem das Gerät so eingestellt wird, dass Anrufe ohne Rufnummernanzeige bzw. von einer unbekannten Rufnummer direkt an die Mailbox weitergeleitet werden.
  • Undurchsichtige Kosten können verhindert werden, indem beispielsweise 0900er Rufnummern direkt beim Provider gesperrt werden. Natürlich kann auch ein Prepaid-Vertrag dazu beitragen, zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Senioren Smartphone vs. normales Mobiltelefon: Unser Vergleich

  • In der Regel sind Senioren-Smartphones gerade bei Einschränkungen des Sehsinns oder auch schlechter werdenden kognitiven Fähigkeiten sinnvoller als normale Mobiltelefone, da sie sich deutlich einfacher bedienen lassen. Schon alleine wegen des größeren Touch-Displays. Einige Modelle wurden sogar zusätzlich mit einer Tastatur mit eigener Haptik ausgestattet, um die Bedienung des Telefons zu erleichtern.
  • Die Menüführung und die Nutzeroberfläche von Senioren Smartphones sind nur auf das Notwendigste beschränkt, um den Nutzer nicht unnötig zu verwirren. Sie sollen sicherstellen, dass die gewünschten Funktionen im Notfall sofort zur Verfügung stehen. Außerdem werden die Menü-Symbole zusammen mit der Schrift größer abgebildet. Trotzdem sollten Sie beim Kauf eines Senioren-Handys die Megapixel im Auge behalten. Vor allem, wenn die Kamera aktiv genutzt werden soll.
  • Ein klassisches Senioren Smartphone ist in der Regel mit einer sogenannten Notruftaste ausgestattet. Wird diese vom Nutzer betätigt, baut das Handy sofort eine Verbindung mit der hinterlegten Rufnummer auf – Stichwort: Notruf Funktion.

Wissenswert

Bei der Rufnummer, die der Notruftaste zugewiesen wird, kann es sich auch um die Nummer der Notrufzentrale handeln.

  • Die meisten Smartphones, die speziell für die Zielgruppe „Senioren“ entwickelt wurden, bieten die Möglichkeit, dass das Gerät per GPS geortet werden kann. Im Ernstfall und in Notsituationen, in denen der Nutzer nicht mehr reagieren kann, ist das eine äußerst sinnvolle und lebensrettende Funktion.
  • Moderne Smartphones für Senioren bieten sogar die Möglichkeit, dass das Handy per Bluetooth mit dem Hörgerät verbunden werden kann. Wer diese Funktion nutzen möchte, muss aber bereits beim Hörgeräte-Kauf ein entsprechendes Modell wählen.
  • Die Lautstärke von Signaltönen und dem Klingelton ist bei Senioren Handys lauter einstellbar als bei klassischen Smartphones. So wird sichergestellt, dass ein Anruf garantiert nicht überhört wird.
  • Während das klassische Smartphone mit verschiedenen Betriebssystemen zu kaufen ist, laufen die vom Hersteller speziell für Senioren entwickelten Geräte mit Android.

Tipp

Soll das Seniorenhandy nur zum Telefonieren und SMS-Schreiben verwendet werden, muss es kein Smartphone mit Kamera sein, da hier ein einfaches Senioren-Klapphandy ausreicht. Die Funktionen dieses Mobiltelefons beinhalten ebenfalls eine Notruffunktion. Der einzige Unterschied zum Smartphone ist die Tatsache, dass keine Apps installiert werden können.

Senioren Smartphones und die App-Installation

Senioren-Klapphandys bieten zwar einen großen Bildschirm und große Tasten, jedoch haben Smartphones den Vorteil, dass zusätzlich noch Apps installiert werden können. Apps, die zur Gesundheitsvorsorge, zur Unterhaltung oder zur Kommunikation verwendet werden können.

Auf dem Senioren Smartphone lassen sich Apps installieren, wie es bei den normalen Smartphones mit Touch Display der Fall ist. Abhängig davon, mit welchem Betriebssystem das Telefon läuft, werden die Apps entweder über Google Play Store oder dem Apple Store heruntergeladen und installiert.

Tipp

Für die sichere Nutzung des Senioren Smartphones ist es ratsam, als erstes ein Antivirenprogramm zu installieren. Binden Sie das Gerät gleich nach Erhalt im heimischen WLAN-Netzwerk ein, um sicherzustellen, dass die Datenkapazität im Ernstfall nicht aufgebraucht ist. Sollte nur ein analoger Anschluss vorhanden sein, stellen Sie diesen um. Ein WLAN-fähiger Router ist auch dann nötig, wenn noch ein Assistenzsystem für Senioren angeschafft werden soll.

Welche Apps dürfen auf keinem Senioren Mobiltelefon fehlen?

Gesundheits-Apps

Diverse Gesundheits-Apps können helfen, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und den aktuellen Gesundheitszustand im Blick zu behalten bzw. zu dokumentieren.

Beispiel:

  • Der Terminplaner bzw. Terminkalender des Telefons kann verwendet werden, um an die Einnahme bestimmter Medikamente, Termine beim Arzt oder Geburtstage zu erinnern.
  • Die App „Google Fit“ ist eine gute Möglichkeit, um zu sehen, wie es um die Bewegung des älteren Menschen bestellt ist. Die Schrittzähler-App trägt positiv zur Mobilisation bei, vor allem nach einer schweren OP, wie z. B. einer Hüft-OP. Der Senior kann sich seine Ziele selbst setzen und überprüfen, ob er diese erreicht hat. Natürlich ist das Smartphone auch ein wichtiges Kommunikationsmittel, da der Senior trotz Gehbehinderung mit anderen in Kontakt bleiben kann.

Tipp

Erklären Sie dem Senior unbedingt den Umgang mit der Kamera! Warum? Eine Kamera ist nicht nur gut, um Fotos vom Garten, der Katze oder der Familie zu machen, sondern kann auch von praktischem Nutzen sein. Ein Beispiel: Man braucht dringend ein Ersatzteil für die defekte Waschmaschine, hat aber dessen Namen vergessen? Kein Problem, mit der Smartphone-Kamera ein Bild davon gemacht und los zum Fachhändler.

Apps zur Unterhaltung

Das Smartphone ist eine sinnvolle Möglichkeit, um zu verhindern, dass sich die geistigen Fähigkeiten eines alten Menschen abbauen. Hierfür können verschiedene Unterhaltungs-Apps auf dem Gerät installiert werden. Welche Apps das letztendlich sein sollen, hängt von der Persönlichkeit und den Gewohnheiten des Rentners ab.

Beispiel:

Opa Erwin hat schon immer sehr gerne Schach gespielt. Leider ist sein Freund und Spielpartner Karl aber mittlerweile verstorben, sodass er niemanden mehr hat, mit dem er seine Schach-Fähigkeiten ausleben kann. Hier könnte eine Schach App helfen, dass Opa Erwin wieder seiner Leidenschaft frönen kann. Da viele Apps dieser Art auch eine Chat Möglichkeit bieten, könnte Opa Erwin sogar neue Kontakte knüpfen.

Wissenswert

Auch für andere Spiele der älteren Generation, wie z. B. Skat, Backgammon, Sudoku, Kreuzworträtsel usw., gibt es mittlerweile Apps für die Installation auf dem Smartphone. Daneben werden beim Google PlayStore bzw. Apple Store für die verschiedenen Handy-Betriebssysteme eine Reihe interessanter Gedächtnis Apps angeboten, die dabei helfen können, die geistigen Fähigkeiten des Seniors zu fördern oder deren Abbau zu verhindern.

Sicherheits-Apps

Natürlich gibt es in der Kategorie „Sicherheit“ ebenso eine Reihe sinnvoller Apps, die auf einem Senioren Smartphone installiert werden sollten, da diese im Notfall eine effiziente Hilfe darstellen, wie es vor allem die Notruf Funktion bietet. Zu den Sicherheitsapps zählen auch z. B. Apps zur GPS-Ortung. Mit Hilfe der App lässt sich jederzeit ermitteln, wo sich der Nutzer des Senioren Handys gerade aufhält. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn der Senior bereits die ersten Anzeichen von Demenz zeigt. Derartige Apps lassen sich so einrichten, dass, sobald sich Auffälligkeiten zeigen, die Pflegekraft oder die Angehörigen eine Mail, eine SMS bzw. einen Anruf bekommen.

Alternativ bieten solche Apps die Möglichkeit, sogenannte Schutzzonen festzulegen. Sobald das Senioren-Smartphone eine solche Schutzzone verlässt, wird der Angehörige bzw. die Pflegekraft ebenfalls informiert. Klappt es nicht mehr so mit der Orientierung, kann eine Navigations-App wie z. B. Google Maps den Senior dabei helfen, nach einem Spaziergang wieder nach Hause zu finden.

Tipp

Ist die Demenz weiter fortgeschritten, ist eine sogenannte Demenz-Uhr die bessere Lösung. Diese ist ein voll funktionsfähiges Telefon, wird aber wie eine Armbanduhr am Handgelenk getragen. Das kleine Mobiltelefon verfügt ebenfalls über eine integrierte GPS-Ortung.

Ist die Demenz weiter vorangeschritten, sollte auf der Rückseite der Geräte, sei es eine Demenz-Uhr oder ein Senioren-Smartphone, der Name des älteren Menschen stehen.

Natürlich soll das Smartphone auch zum Kommunizieren verwendet werden. Darum sind der Facebook Messenger, WhatsApp und Co. auf dem Handy des rüstigen Rentners Pflicht. Auch ein voll eingerichtetes Mailprogramm ist nützlich, damit Oma Anna mit ihrer nach Amerika ausgewanderten Schulfreundin noch fleißig Mails schreiben kann. Auch die integrierte Kamera kann in Form von Videotelefonie zur Kommunikation beitragen.

Seniorenhandy kaufen: Was ist wichtig?

Von Emporia über Doro bis PhoneEasy, viele Hersteller produzieren mittlerweile Seniorenhandys. Eben diese große Auswahl macht es manchmal nicht so einfach, einen Vergleich durchzuführen und das richtige Modell bzw. Gerät zu finden. Es ist auch dann noch schwierig, wenn man sich mit den Produkttests der Stiftung Warentest auseinandergesetzt hat. Letztendlich geht es aber in erster Linie um die persönlichen Bedürfnisse und die Must-Haves.

Tipp

Setzen Sie sich für einen Vergleich mit den Hard-Facts (z. B. Display Maße, Tasten oder Touchscreen, integrierte Funktionen) der seniorengerechten Telefone auseinander. Seien Sie ehrlich zu sich, wenn es um die Frage geht, welche Funktionen unbedingt benötigt werden und welche nicht. Ein großes Display ist allerdings immer vorteilhaft, da es die Bedienung ungemein erleichtert! Haben Sie sich für zwei bis drei in Frage kommende Modelle entschieden, hilft nur ein direkter Vergleich der Haptik. Fahren Sie ins nächste Fachgeschäft und lassen Sie sich die Modelle zeigen. Nehmen Sie die Geräte in die Hand und dann sollten Sie entscheiden, was das richtige Senioren Smartphone für Sie bzw. Ihre Mutter oder Ihren Vater ist. Ein Produkt-Test aus dem Internet wird Ihnen definitiv nicht dabei helfen können, eine gute Kaufentscheidung treffen zu können.