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Tagesstrukturierende Maßnahmenplanung

08.09.2017
„Du musst unbedingt zuerst das Licht anmachen, sonst bekommt Herr Linke einen Schrecken, wenn du plötzlich vor seinem Bett stehst.“ Denken Sie bei solchen Informationen auch manchmal: „Wenn das doch so in der Dokumentation stehen würde.“? Dies bleibt kein Wunschtraum mehr. Im Rahmen der entbürokratisierten Pflegedokumentation können Ihre Fachkräfte den Pflegeablauf genauso herunterschreiben, wie sie ihn durchführen.

Die Maßnahmenplanung gibt den Takt vor

Die Maßnahmenplanung führt alle Handlungen der Pflegekräfte und Mitarbeiter des Sozialen Dienstes zusammen:
  • Alltagsgestaltung/Tagesablauf
  • grundpflegerische Regelversorgung (mit Prophylaxen)
  • psychosoziale Begleitung
  • Behandlungspflege

Sie soll die übliche Tagesstruktur des Bewohners beschreiben und so übersichtlich gestaltet sein, dass der routinemäßige Ablauf der Versorgung und psychosozialen Betreuung auch für neue Mitarbeiter schnell erkennbar ist. Zeitkorridore und feste Zeiten sind nur erforderlich, wenn ein Bewohner eine bestimmte Hilfestellung zu einer festen Uhrzeit benötigt oder wünscht.

Gestaltung der Maßnahmenplanung

Zur Gestaltung der Maßnahmenplanung gibt es keine Vorgaben. Sie können sich eine für Ihre Einrichtung praktikable Struktur erarbeiten.

Viele der an dem Entbürokratisierungsprojekt teilnehmenden Einrichtungen haben sich daher für die Tagesablaufbeschreibung entschieden. Wie der Name schon sagt, beschreiben Ihre Mitarbeiter hierbei den gesamten Tagesablauf so, wie sie ihn täglich durchführen.

Wichtig: Maßnahmen, die mehrmals vorkommen, müssen nur 1-mal beschrieben werden und können im weiteren Verlauf durch ein Kürzel eingefügt werden.

Die Maßnahmenplanung als Ablaufplan

Für die tagesstrukturierende Planung ist es wichtig, dass Ihre Mitarbeiter die einzelnen
Maßnahmen so individuell wie möglich für den jeweiligen Bewohner beschreiben. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Ihre Fachkräfte bei der Maßnahmenplanung am besten vorgehen.

In 3 Schritten zum strukturierten Tagesablauf

  1. Grundregeln festlegen: Überlegen Sie, ob es wichtige Grundregeln im Umgang mit Ihrem Bewohner gibt, die Sie voranstellen sollten, etwa Initialberührungen, besondere Vorleben, Bedürfnisse oder Gewohnheiten oder ein ritualisiertes validierendes Vorgehen.
  2. Vorstrukturierung: Teilen Sie den Tagesablauf grob in einzelne Abschnitte ein.
  3. Pflegemaßnahmen beschreiben: Beschreiben Sie alle Maßnahmen so genau, dass nachvollziehbar ist, wie sie durchgeführt werden sollen.

 Beispiel: Tagesstruktur für Karl Linke

Grundsätzliche Hinweise: Herr Linke ist schwerhörig und sehr schreckhaft, daher vor Kontaktaufnahme im Bewohnerzimmer immer das Licht einschalten (auch nachts); im Aufenthaltsraum eine kurze Initialberührung (auf die Armbanduhr tippen) zur Kontaktaufnahme einsetzen;
Uhrzeit: ca. 8:30 Aufstehen, Morgenpflege
Pflegemaßnahmen:
  • Die Pflegekraft (PK) spricht Herrn Linke erst an, wenn dieser die Augen geöffnet hat. Falls er weiterschläft, verlässt sie das Zimmer für ca. 1/2 Stunde.
  • Sobald der Bewohner (Bew.) wach ist, bittet die PK ihn, sich auf die Bettkante zu setzen, hilft ihm beim Anziehen der Schuhe, reicht ihm 200 ml Wasser mit Kohlensäure an und gibt ihm seine Zahnprothese in die Hand, die dieser sofort unter Beaufsichtigung einsetzt.
  • Bew. mag es, wenn die Pflegekraft mit ihm im Takt von Marschmusik zum Bad marschiert.
  • Die Körperpflege wird in folgender Reihenfolge durchgeführt: Bew. wird gebeten, sich auf die Toilette zu setzen, er entfernt das Inkontinenzmaterial allein; PK macht das Bett und lässt Bew. auf der Toilette sitzen; hiernach leitet die PK den Bewohner kleinschrittig bei der kompletten Körperpflege im Stehen vor dem Waschbecken an (in der Reihenfolge: Mund ausspülen, Prothesenpflege mit Zahnpasta, Rasur, Waschen, Eincremen, Anwendung von Aftershave und Deo).
  • Die PK integriert die Hautbeobachtung (Körper und Mundschleimhaut) in diesen Ablauf (Intertrigo-, Soor- und Parotitisprophylaxe).
  • Anschließend hilft die PK beim Ankleiden des Unterkörpers: Netzhose mit Inkontinenzprodukt, Strümpfe, Slip, lange Hose (bevorzugt Jeans), Schuhe (Sneaker oder Schnürschuhe). Für den Oberkörper reicht PK die Kleidungsstücke an und leitet den Bew. beim Ankleiden an: T-Shirt, Hemd, Halstuch, bei Bedarf Weste oder Strickjacke.
Hinweis: In diesem Stil beschreibt die Maßnahmenplanung den gesamten Tagesablauf. Mögliche Vorstrukturierungen für die linke Spalte sind etwa: Frühstück, Vormittagsbeschäftigung, Toilettengang, Mittagessen, Mittagsruhe.

FAZIT: Tagesstrukturierende Maßnahmenplanung lohnt sich immer

Die tagesstrukturierende Maßnahmenplanung können Sie auch umsetzen, wenn Sie nicht mit dem neuen Strukturmodell arbeiten. In diesem Fall würden Ihre Mitarbeiter die Problemdefinitionen und Ziele wie gehabt festlegen und die Maßnahmenplanung als Tagesstruktur niederschreiben.
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