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Wie Sie eine Ablehnung von Pflegemaßnahmen korrekt dokumentieren

12.11.2018

Die entbürokratisierte Pflegedokumentation heißt Strukturmodell. Dies steht dafür, dass Sie und die Fachkräfte gemeinsam mit dem Bewohner strukturiert Informationen erfassen und hierzu individuelle Maßnahmen entwickeln. Im Pflegebericht halten Sie Besonderheiten und Abweichungen vom Maßnahmenplan fest.

Dies bedeutet, dass Sie im Aushandlungsprozess mit Ihren Bewohnern immer neu verhandeln müssen - auch, wenn sie bei Ihren Pflegekunden auf Ablehnung Ihrer Pflegemaßnahmen stoßen.

Die Fachkraft spricht die notwendigen Pflegemaßnahmen genau mit Ihrem Bewohner bzw. mit seinem Betreuer ab. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass er sie in der folgenden Zeit immer akzeptiert. Immer wenn Ihr Bewohner ablehnt, ist es sozusagen Ihre Aufgabe, die Verhandlungen fortzuführen.

Fallbeispiel: Frau Mayer lässt sich nicht lagern

Unsere Bewohnerin Frau Mayer lehnte es von jeher ab, sich in der Nacht auf die Seite legen zu lassen. Diese Ablehnung wurde mindestens alle 2 Tage dokumentiert. Als das Unvermeidliche geschah und Frau Mayer einen Dekubitus entwickelt hatte, warf der Sohn den Pflegekräften trotzdem einen Pflegefehler vor. Das Argument, Frau Mayer habe das Lagern abgelehnt, ließ er nicht gelten. Er sagte hierzu: „Wenn meine Mutter verstanden hätte, worum es geht, hätte sie sich bestimmt von Ihnen lagern lassen.“

Fragen Sie nach den Gründen

Fragen Sie nach, wenn Ihr Bewohner Maßnahmen ablehnt:

  1. Warum hat er die Maßnahme abgelehnt? Wie äußert er sich genau?
  2. Welche Alternativen haben Sie angeboten?
  3. Hat er diese akzeptiert? Falls nein, warum nicht?

Oft wird nicht die gesamte Maßnahme, sondern nur ein Teil abgelehnt

Viele Ihrer Bewohner erkennen vermutlich den grundsätzlichen Sinn bestimmter Maßnahmen. Sie lehnen diese dennoch ab, wenn sie etwa körperliches Unbehagen verursachen, zu anstrengend sind oder die Selbstständigkeit beeinträchtigen.

Beispiel: Frau Mayer lehnt die Prophylaxe nicht komplett ab, sondern sie hat gute Gründe. Ihr geht es ausschließlich um die Luftnot in Seitenlage.

Ablehnung Schritt für Schritt dokumentieren

Beschreiben Sie Ihre Beobachtungen und leiten Sie daraus das individuelle Risiko ab. So dokumentieren Sie es: Frau Mayer lehnt es ab, sich nach der Abendpflege auf die linke Seite lagern zu lassen und möchte auf dem Rücken liegen bleiben.

Erläutern Sie das Risiko in verständlicher Sprache und zeigen Sie mögliche Konsequenzen auf. Die Pflegefachkraft erklärt ihr, dass sie den ganzen Nachmittag gesessen hat und sie daher das Gesäß entlasten muss, damit es nicht zu Hautverletzungen kommt.

Fragen Sie Ihren Bewohner, ob er den Sinn der Maßnahme versteht und bitten Sie ihn zu erläutern, warum er die Maßnahme ablehnt. Dokumentieren Sie Ablehnung möglichst immer im O-Ton. Die Bewohnerin antwortet: „Das weiß ich alles, aber auf der Seite fühle ich mich so eingeengt. Außerdem ist bisher doch noch nie was passiert, wenn ich auf dem Rücken gelegen habe.“

Bieten Sie Alternativmaßnahmen an. Der Bewohnerin wurde vorgeschlagen, probeweise eine Wechseldruckmatratze ins Bett zu legen. Hierdurch sollen die am Morgen bestehenden Rötungen verringert werden. Sie antwortet, sie wolle sich das überlegen, jetzt aber so liegen bleiben.

Informieren Sie die Fachkraft. Hinweis: Den weiteren Aushandlungsprozess muss die Fachkraft übernehmen. Sie handeln nur in der jeweiligen Situation.

Fazit: Vermeiden Sie Konflikte

Sie als Pflegekraft haben die Anweisung, bestimmte Maßnahmen, wie etwa die Flüssigkeitszufuhr oder wie im Fall von Frau Mayer das Lagern, durchzuführen. Viele Pflegekräfte versuchen in dieser Situation zu überzeugen. Einige Bewohner betrachten dies als Bevormundung und lehnen erst recht ab. Wenn Sie hingegen nachfragen und Interesse für die Ablehnung zeigen, vermeiden Sie Konflikte. Denn hierdurch fühlt sich Ihr Bewohner ernst genommen.

Aufgabe: Handeln Sie bei der nächsten Maßnahmenablehnung bewusst nach dem beschriebenen Muster. Dokumentieren Sie Ihr Vorgehen anhand der Beispiele. Besprechen Sie das Ergebnis mit einer Fachkraft.

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