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Ausbildung ist nicht nur Personalentwicklung: Schlagen Sie dem Pflegenotstand ein Schnippchen

22.10.2018

Der Pflegedienst von Anja H. ist in Hamburg ansässig. Schon seit langer Zeit ist sie auf der Suche nach Pflegefachkräften, doch der Markt scheint wie leergefegt. Entweder melden sich Pflegehilfskräfte, die sie nicht für die Leistungen laut SGB V einsetzen darf, oder es bewerben sich Pflegefachkräfte, die nur am Vormittag und nicht am Wochenende arbeiten möchten. Anja H. ist verzweifelt, denn sie bekommt immer mehr Aufträge, hat aber keine Mitarbeiter.

Viele Pflegedienste sind auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern, denn die Zahl schwerstpflegebedürftiger, insbesondere älterer, multimorbider und dementer Menschen, die in ihren eigenen 4 Wänden gepflegt und betreut werden möchten, nimmt stetig zu. Insoweit haben die Berufe der Kranken- und Altenpflege in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Doch da es sehr schwierig ist, geeignete Fachkräfte für Ihren ambulanten Pflegedienst zu gewinnen, sollten Sie sich einmal genau überlegen, ob Sie sich Ihre Fachkräfte nicht besser selbst ausbilden. Denn auch ambulante Pflegedienste können ein praktischer Ausbildungsbetrieb sein, wenn sie überwiegend ältere Menschen pflegen.

Wenn Sie sich entschließen, dem Pflegenotstand ein Schnippchen zu schlagen, sollten Sie folgenden Beitrag lesen, denn hier finden Sie alle Informationen darüber darüber, was Sie beachten müssen, wenn Sie praktischer Ausbildungsbetrieb werden möchten.

Altenpflegegesetz gibt das Grundgerüst der Ausbildung vor

Mit dem Gesetz über die Berufe in der Altenpflege (Altenpflegegesetz – Alt-PflG), das am 01.08.2003 in Kraft getreten ist, ist die Ausbildung in der Altenpflege erstmals bundeseinheitlich geregelt worden. Ziel des Gesetzes ist es, bundesweit ein einheitliches Ausbildungsniveau sicherzustellen, das Berufsbild attraktiver zu gestalten und dem Beruf insgesamt ein klares Profil zu geben. Dies wird durch eine bundesweit einheitliche Regelung der Ausbildungsstrukturen, Ausbildungsinhalte und Prüfungsanforderungen erreicht.

Wie immer: unterschiedliche Regelungen in jedem Bundesland

Allerdings gibt es in den 16 Bundesländern unterschiedliche Regelungen und Bestimmungen für die Durchführung der Altenpflegeausbildung. Wenn Sie im Internet unter: http://www.altenpflegeausbildung. net/snaa/apa/laender in der Karte auf Ihr Bundesland klicken, finden Sie die genauen Regelungen.

Ohne Kooperationsvertrag mit einer Altenpflegeschule geht es nicht

Wie Sie wissen, muss der Altenpflegeschüler nicht nur praktisch etwas lernen, sondern auch theoretisch. Daher umfasst die Ausbildung zum Altenpfleger laut Altenpflegegesetz

  • mindestens 2.500 Praxisstunden und
  • mindestens 2.100 Theoriestunden

Das bedeutet also, dass die Ausbildung eine gemeinsame Aufgabe von Betrieb und Schule ist. Daher müssen Sie als Ausbildungsbetrieb auch einen Kooperationsvertrag mit einer staatlich anerkannten Altenpflegeschule bzw. einem Fachseminar für Altenpflege abschließen, die bzw. das dann von Ihren Auszubildenden besucht wird.

Hinweis: Die Altenpflegeschule trägt die Gesamtverantwortung für die Ausbildung. Sie führt den Unterricht durch und stellt die Praxisbegleitung sicher.

Stellen Sie weitere praktische Einsätze in anderen Pflegeeinrichtungen sicher

Als Träger der praktischen Ausbildung müssen Sie aber auch mit anderen praktischen Einsatzstellen kooperieren. Denn die angehenden Altenpfleger müssen auch wissen, wie es z.B. in einer stationären Einrichtung zugeht usw. Diese Einsätze werden externe Einsätze genannt. Gemäß Altenpflegegesetz sind fachpraktische Einsätze in Einrichtungen zu absolvieren, in denen alte Menschen betreut werden und die bestimmte Schwerpunkte der pflegerischen Versorgung anbieten.

Dazu gehören beispielsweise psychiatrische Kliniken mit gerontopsychiatrischer Abteilung, Allgemeinkrankenhäuser mit geriatrischer Fachabteilung, Einrichtungen der offenen Altenhilfe, Tages-, Nachtpflege etc. Informieren Sie sich, wie viele externe Einsätze in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt der Ausbildung von der kooperierenden Altenpflegeschule vorgesehen sind.

Hinweis: Die externen Einsätze sind länderspezifisch geregelt.

Grundvoraussetzung: Praxisanleitung

Als praktische Ausbildungsstelle müssen Sie die Anleitung des Auszubildenden durch einen Praxisanleiter sicherstellen. Der Praxisanleiter muss über eine Ausbildung als 3-jährig ausgebildete Pflegefachkraft und mindestens 2 Jahre Berufserfahrung verfügen. Zudem muss der Praxisanleiter über eine berufspädagogische Weiterbildung verfügen. In einigen Bundesländern bestehen Verordnungen, die auf den Umfang der Praxisanleitung für die Auszubildenden im Rahmen der praktischen Ausbildung eingehen.

Praxis-Tipp: Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund: Vielen Menschen, auch in der Pflege, ist noch nicht bewusst, dass auch Menschen mit Migrationshintergrund alt und pflegebedürftig werden. Daher sollten Sie sich als ambulanter Pflegedienst auch überlegen, ob Sie sich interkulturell öffnen möchten. Die meisten Bedürfnisse und Fragen von Familien mit Migrationshintergrund im Bereich Pflege unterscheiden sich nicht von denen der Familien ohne Migrationshintergrund. Dennoch gibt es einige Unterschiede im Hinblick auf rechtliche Fragen, kulturelle Hintergründe und religiöse Gebräuche. Daher sollten Sie in Erwägung ziehen, einem Altenpflegeschüler mit Migrationshintergrund die Chance einer Ausbildung in Ihrem Pflegedienst zu geben.

Hinweis: Die Weiterbildung zum Praxisanleiter wird häufig von Altenpflegeschulen oder anderen Weiterbildungsinstituten angeboten. Sie dauert in der Regel ca. 1 Jahr, ist kostenpflichtig und wird berufsbegleitend angeboten.

Dieser zusätzliche Arbeitsaufwand kommt auf Sie zu

Wenn Sie ein praktischer Ausbildungsbetrieb sind, kommt auch ein zusätzlicher Arbeitsaufwand auf Sie zu. Dieser Aufwand ist individuell unterschiedlich und kann schwer in Stunden umgerechnet werden. Außerdem ist der Zeitaufwand von der Aufgabenteilung zwischen Pflegedienstleitung, Praxisanleiter und den Pflegefachkräften abhängig.

Dieser Arbeitsaufwand kommt auf Ihren Praxisanleiter und Ihren Pflegedienst zu

Als praktische Ausbildungsstelle müssen Sie

  • geplant praktisch anleiten,
  • beurteilen und benoten,
  • strukturierte Gespräche mit dem Auszubildenden führen,
  • Gespräche mit der Altenpflegeschule führen,
  • Praxisanleitungstreffen in der Altenpflegeschule besuchen,
  • den Auszubildenden auf die praktische Prüfung vorbereiten.

Das sollen die Auszubildenden in der Praxis lernen

Die Grundlage für die Ausbildung ist ein Ausbildungsplan, in dem zeitlich und sachlich gegliedert Lernziele und -methoden für die Auszubildenden festgelegt sind. Die Existenz eines Ausbildungsplans ist gesetzlich vorgeschrieben, aber nicht die inhaltliche Ausgestaltung. Wenn Sie gemeinsam mit der Pflegeschule einen Ausbildungsplan erstellen, muss dies auf der Grundlage des Rahmenlehrplans des jeweiligen Bundeslandes geschehen.

Hinweis: Es bietet sich an, die Praxisphasen thematisch in Anlehnung an die Theoriephasen zu gestalten. So lernt der Auszubildende möglichst zeitnah die Umsetzung von Theorie in die Praxis.

Als Pflegedienstleitung tragen Sie die Verantwortung

Sie als Pflegedienstleitung tragen als Fachvorgesetzte die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung der Ausbildung in der Praxis und die entsprechenden Einsätze der Auszubildenden. Daher müssen Sie als Pflegedienstleitung auch die fachliche Anleitung der Azubis überwachen und sicherstellen, dass die übertragenen Aufgaben dem jeweiligen Kenntnisstand entsprechen. Hierzu gehören auch die Koordination und Planung der Diensteinsätze der Auszubildenden.

Hinweis: Je nach Arbeitsorganisation Ihres Pflegedienstes können Sie Tätigkeiten an Ihren Praxisanleiter delegieren. Die Verantwortung für die Durchführung der Altenpflegeausbildung verbleibt jedoch bei Ihnen als Pflegedienstleitung.

Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Dies gilt auch für Umschulungen. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung, wobei die Ausbildung in der Praxis überwiegt. Eine Teilzeitausbildung ist möglich.

Hinweis: Eine Verkürzung der Ausbildung ist bei einschlägigen Berufserfahrungen möglich. Hierüber entscheidet die zuständige Behörde im Einzelfall.

In diesem zeitlichen Umfang ist Ihr Azubi in Ihrem Pflegedienst anwesend

Wie Sie gesehen haben, dauert die praktische Ausbildung laut Altenpflegegesetz 3 Jahre und umfasst mindestens 2.500 Stunden – die theoretische Ausbildung zusätzlich 2.100 Stunden. Um die Anwesenheit der Auszubildenden in Ihrem Pflegedienst zu ermitteln, müssen Sie folgende Faktoren berücksichtigen:

  • Durchschnittliche Jahresarbeitszeit: Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit beträgt ca. 2.000 Stunden, so dass sie bei einer 3-jährigen Ausbildung insgesamt 6.000 Stunden umfasst.
  • Urlaubsanspruch: Ihr Auszubildender hat Anspruch auf Urlaub. Dieser ist tarifvertraglich geregelt oder umfasst max. 6 Wochen / 30 Tage Urlaub im Jahr.
  • Fehlzeiten: Für Abwesenheit aufgrund von Krankheit kann zunächst nur ein Durchschnittswert von 10 Tagen im Jahr angenommen werden. Im Altenpflegegesetz wird darauf hingewiesen, dass die aufgrund von Krankheit nicht wahrgenommenen Ausbildungsabschnitte in der Regel 4 Wochen jährlich nicht überschreiten sollten.

Somit verbleiben knapp 3.000 Stunden, die Ihr Auszubildender rein rechnerisch in der praktischen Ausbildung verbringt. Das entspricht in etwa 50 % der Gesamtarbeitszeit der Ausbildung. Außerdem müssen Sie aber auch noch die externen Einsätze berücksichtigen. Hier sollten Sie sich rechtzeitig informieren, wie viele externe Einsätze in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt der Ausbildung von der kooperierenden Altenpflegeschule vorgesehen sind.

Hinweis: Beachten Sie, dass Sie Ihren Auszubildenden nicht allein auf Tour fahren lassen dürfen. Sprechen Sie mit der Altenpflegeschule ab, wie Sie Ihren Auszubildenden einsetzen können.

Der Ausbildungsvertrag

Als praktische Ausbildungsstelle müssen Sie nach dem Altenpflegegesetz einen schriftlichen Ausbildungsvertrag für die gesamte Dauer der Ausbildung schließen. Der Ausbildungsvertrag muss mindestens enthalten:

  • das Berufsziel, dem die Ausbildung dient,
  • den Beginn und die Dauer der Ausbildung,
  • Angaben über die inhaltliche und zeitliche Gliederung der praktischen Ausbildung gemäß der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung
  • die Dauer der regelmäßigen täglichen oder wöchentlichen praktischen Ausbildungszeit,
  • die Höhe der monatlichen Ausbildungsvergütung,
  • die Höhe der zu erstattenden Weiterbildungskosten
  • die Dauer der Probezeit,
  • die Dauer des Urlaubs,
  • die Voraussetzungen, unter denen der Ausbildungsvertrag gekündigt werden kann,
  • einen in allgemeiner Form gehaltenen Hinweis auf die Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die auf das Ausbildungsverhältnis anzuwenden sind.

Das kostet ein Azubi

Als praktische Ausbildungsstelle tragen Sie die Kosten für Ihren Auszubildenden. Wenn Sie tarifvertraglich gebunden sind, ist die Ausbildungsvergütung im geltenden Tarifwerk festgeschrieben. Die monatliche Vergütung liegt durchschnittlich bei 640 € im 1., 720 € im 2. und bis zu 880 € im 3. Ausbildungsjahr. Die Vergütungen variieren je nach Tarifvertrag. Wenn Sie nicht über tarifliche Regelungen verfügen, darf die Ausbildungsvergütung das Tarifniveau um nicht mehr als 20 % unterschreiten. Hinweis: Auszubildende können bei Vorliegen der Voraussetzungen auch BAföG erhalten. Seit dem 01.01.2009 können sie ebenfalls Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nach § 60 SGB III durch die Arbeitsagentur erhalten.

Diese Zugangsvoraussetzung muss Ihr Azubi erfüllen

Zugangsvoraussetzung zur Ausbildung in der Altenpflege ist der Realschulabschluss oder ein als gleichwertig anerkannter Bildungsabschluss. Personen mit Hauptschulabschluss werden zugelassen, wenn sie eine anderweitige 2-jährige Berufsausbildung nachweisen oder den Altenpflegehelferbzw. Krankenpflegehelferberuf erlernt haben.

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