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Rasselatmung: So gehen Sie mit den Angehörigen um

03.02.2017

Sicherlich bemerken Sie, dass sich nicht nur Mitarbeiter der Pflege und Betreuung durch die Rasselatmung Sterbender belastet fühlen, sondern auch Angehörige. Sie setzen die Rasselatmung oft mit einem drohenden Ersticken gleich.

Wenn Angehörige mit dieser Situation dann allein gelassen werden, werden sie mitunter panisch. Dies führt dann zu kopflosen Entscheidungen, wie das folgende reale Praxisbeispiel verdeutlicht:

 

Praxisbeispiel: Herr Holm ist 76 Jahre alt. Er hat vor 2 Wochen einen schweren Schlaganfall mit Hirnmassenblutung erlitten. Im Krankenhaus wird der Tochter, Frau Bauer, mitgeteilt, dass Herr Holm nur noch wenige Tage zu leben hat. Da Herr Holm in seiner Vorsorgevollmacht verfügt hat, dass seine Tochter sich in allen Belangen um ihn kümmern soll, entscheidet sie sich, ihn zu sich nach Hause zu holen. Es liegt eine Patientenverfügung vor, die ausdrücklich einen weiteren Krankenhausaufenthalt ausschließt.

Nachdem ein Krankentransport Herrn Holm in die Wohnung seiner Tochter gebracht hat, scheint sich sein Zustand minimal zu bessern. Auch der bestellte Pflegedienst, der die Morgenversorgung durchführt, nimmt eine leichte Verbesserung des Allgemeinzustands von Herrn Holm wahr, obwohl er weiterhin eine schwere Bewusstseinsstörung hat.

Am 3. Tag verschlechtert sich der Zustand von Herrn Holm. Er hat eine schnelle Atmung, die zusätzlich rasselnd und brodelnd klingt. Die Tochter ist mit der Situation vollkommen überfordert. Sie bittet die Mitarbeiterin des Pflegedienstes, sie zu beraten, ob nicht der Notarzt gerufen werden sollte. Die Kollegin des Pflegedienstes kennt Herrn Holm nicht, sie hilft an diesem Tag nur aus und ist ansonsten auf einer anderen Tour eingesetzt. Sie ruft den zuständigen Hausarzt an, der aber in der Behandlung ist und verspricht, bis mittags zurückzurufen. Leider kann die Mitarbeiterin des Pflegedienstes nicht bei Frau Bauer bleiben, da sie ihre Tour fortsetzen muss. Nach Rücksprache in der Dienststelle erfährt sie, dass auch kein anderer Kollege Frau Bauer zur Seite stehen kann.

Die Tochter von Herrn Holm ruft den Notarzt, um ihren Vater in ein Krankenhaus verlegen zu lassen, wo er noch am Nachmittag verstirbt.

Informieren Sie verständlich

Um nun die Angehörigen Ihrer Pflegekunden angemessen beraten zu können, sollten Sie das aufgeführte Muster-Informationsschreiben für Angehörige nutzen. Bevor Sie diese Informationen allerdings an Angehörige weiterreichen, sollten Sie ihnen vorher den Sachverhalt mündlich erläutern und erklären. Erst wenn der Sachverhalt wirklich verstanden worden ist, sollten Sie das Schreiben aushändigen. Bedenken Sie, dass Sie es in der Regel mit dem Familiensprecher zu tun haben. Dieser muss dann zu Hause Bericht erstatten. Hierbei kann ihm das aufgeführte Material helfen.

Muster: Informationsschreiben für Angehörige zur Rasselatmung

Sehr geehrte Angehörige,

wenn sich ein Bewohner im Sterbeprozess befindet, ist das für alle Beteiligten eine belastende Situation – auch wenn sie sich schon über einen langen Zeitraum darauf gedanklich vorbereiten konnten. Das Sterben als solches zeigt sich durch vielfältige Anzeichen und Symptome. Der Sterbende wird immer schwächer und er nimmt immer weniger an seiner Umgebung Anteil. Häufig schläft der Sterbende viel und er wirkt abwesend.

Ein Symptom, das immer wieder zu beobachten ist, ist die geräuschvolle Atmung. Sie klingt brodelnd, gurgelnd und rasselnd. Sie ist dadurch verursacht, dass der Betroffene entweder sein Sputum nicht mehr hinunterschlucken oder das Lungensekret nicht mehr abhusten kann. Oftmals liegen auch beide Ursachen vor. Dies geschieht, weil der zu Pflegende zu schwach ist.
Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass dieses Symptom vom Betroffenen nicht als Belastung wahrgenommen wird. Er leidet nicht unter der Rasselatmung. Auch wenn Sie den Eindruck bekommen, der Betroffene müsste dieses Symptom als „Ersticken“ wahrnehmen: Dies ist nicht der Fall.

Falls Sie dies als Begleitpersonen belastet und Sie womöglich die Rasselatmung des Betroffenen nicht ertragen können, werden wir auf dieses Symptom reagieren. Es ist uns ein Anliegen, dass Sie weiterhin die Begleitung mit übernehmen.

Es gibt verschiedene Wege, wie wir auf das Symptom der Rasselatmung reagieren können. Ein natürlicher Weg ist der, die Flüssigkeitszufuhr für den Betroffenen zu reduzieren. Dadurch entzieht der Organismus der Lunge die Flüssigkeit, sodass der zu Pflegende schon nach kurzer Zeit wieder freier atmen kann.

Während dieser Maßnahme bekommt der Betroffene alle 1⁄2 Stunde eine spezielle Mundpflege, um sein Durstgefühl zu reduzieren. Gern erläutern Ihnen die Mitarbeiter unserer Einrichtung, wie diese Maßnahme durchgeführt wird, damit Sie dabei mithelfen können.

Ein weiterer Weg ist die Gabe von Medikamenten, die die Sekretbildung der Lunge hemmen. Diese Maßnahme sprechen wir gegebenenfalls zeitnah mit dem Hausarzt ab.

Sollten Sie zum Symptom der Rasselatmung und zu den angesprochenen Maßnahmen noch Fragen haben, steht Ihnen unser Team gern zur Verfügung.

Ihr Palliativbeauftragter

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Aber Achtung: Nicht jeder Konflikt ist auch Mobbing.
 

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