Verlag & Akademie

Sensobiografie: Vertraute Sinnesreize im Alltag nutzen

11.09.2020

Lassen Sie mich mit einem kleinen Experiment beginnen: Nehmen Sie sich kurz Zeit und spüren Sie einmal für sich hin. Erinnern Sie sich, wie eine Rose duftet? Spüren, fühlen, riechen Sie genau hin. Welche Bilder fallen Ihnen ein, welche Situationen oder Menschen kommen Ihnen in den Sinn?

Den meisten von Ihnen fallen dazu bestimmt sofort Bilder, Farben oder sogar ganze Situationen ein. Vielleicht riechen Sie – schon ausgelöst über diese Frage – aus Ihrer Erinnerung heraus auch tatsächlich den Rosenduft, so intensiv ist Ihr verinnerlichtes Bild dazu. Unsere Sinne und unsere Biografie sind folglich unmittelbar verbunden.

Sinne und Gefühle hängen immer zusammen – auch noch bei Demenz

Alles, was wir im Laufe unseres Lebens an Ereignissen, Szenen, Bildern etc. abspeichern, nehmen wir grundsätzlich über unsere Sinne auf. Wir speichern es so nicht nur im Kopf, sondern auf vielen Ebenen in unserem sogenannte Leibgedächtnis ab. Leib kommt von „lib“ und meint den erlebenden Menschen. Dazu gehören die körperliche UND die geistige UND die seelische Ebene. Da es über die Sinne „reingekommen ist“, sind diese folglich auch Türöffner zu all unseren Erinnerungen. Immer verbunden mit unseren abgespeicherten Erfahrungen sind unsere Gefühle, die wir bei dem Erlebten hatten und die sich über die Aktivierung wieder zeigen können.

Aktivieren Sie das Leibgedächtnis Ihrer Bewohner

Nutzen Sie dieses Leibgedächtnis und regen Sie es im Alltag über entsprechende Sinnesangebote an, um darüber die Ressourcen Ihrer Bewohner neu zu aktivieren.

Praxisbeispiel: Sie backen mit Ihren Bewohnern Kuchen. Eine Bewohnerin mit fortgeschrittener Demenz hatte bisher nur passiv an diesem Gruppenangebot teilgenommen. Beim Backen des Kuchens fängt Sie – angeregt über den Duft – unerwartet an zu sprechen und erzählt aus ihrer Heimat vom Brotbacken.

Hier wurde über den Kuchenduft dieses Leibgedächtnis angeregt. Ihr fielen sogar die Zutaten zu dem Brotrezept wieder ein (= kognitive Ressourcen) und sie machte während des Erzählens die entsprechenden Bewegungen zum Kneten des Teiges (= körperliche Ressourcen). Da ihr das früher und viel Freude gemacht hatte, strahlte sie dabei sichtlich stolz (= Identität).

Praxistipp: Um Türen zu den persönlichen Erinnerungen und darin liegenden Ressourcen Ihrer Bewohner zu öffnen, integrieren Sie möglichst häufig alle 5 Sinneskanäle. Lassen Sie etwa Ihren Bewohner bewusst nochmal etwas in die Hand nehmen, fühlen oder daran riechen. Geben Sie jeder Erinnerung Raum, indem Sie auf Gefühle eingehen sowie körperliche Bewegungen und Erfahrungswissen aufgreifen.

Wie finden Sie sinnliche Vorlieben Ihrer Demenzpatienten heraus?

An 1. Stelle steht immer, Ihre Bewohner zu fragen. Ergänzend beziehen Sie Angehörige mit ein. Im Weiteren liegt Ihre Chance in der gezielten Beobachtung Ihrer Bewohner. Sensibilisieren Sie Ihre Wahrnehmungen darauf hin, gerade auch bei den Bewohnern mit fortgeschrittener Demenz, deren Antworten sich oft mals über nonverbale Reaktionen zeigen. Hilfreich ist, sich zur Sammlung sensobiografi scher Informationen im Arbeitsalltag immer die 5 Sinne als innere Leitlinie vor Augen zu führen. Mit diesen Fragestellungen bekommen Sie so wertvolle Hinweise für eine entsprechende Alltagsbegleitung.

Mögliche Fragen für Ihre sensobiografische Informationssammlung

Hören:

  • Welche Lieder hört Ihr Bewohner gern?
  • Mag er eher Chöre, einzelne (bestimmte) Interpreten, Instrumentalmusik, Schlager, Volksmusik oder Klassik?
  • Welche Klänge mag er (etwa Glockenspiele, Spieluhren)?
  • Bei welchen Stimmen / Tonlagen zeigt er wohlwollende und wann eher ablehnende Reaktionen?
  • Welche Geräusche erschrecken ihn?
  • Bei welchen Geräuschen zeigt er Reaktionen, bleibt die Gesichtsmimik entspannt?


Fühlen:

  • Fühlt Ihr Bewohner mit der Hand oder eher der Wange, dem Arm?
  • Was nimmt er gern in die Hand?
  • Ist es, um etwas in der Hand zu haben oder fühlt er hin?
  • Sind es Gegenstände, bestimmte Kleidungsstücke?
  • Mag er lieber weiche, kalte oder warme Materialien?
  • Nimmt er gern Holz, Erde, einen Stein, bestimmte Erinnerungsstücke oder anderes in die Hand?

Sehen:

  • Was sieht Ihr Bewohner gern?
  • Schaut er vielleicht gern aus dem Fenster?
  • Sieht er gern in die Natur oder Tieren zu? Sieht er gern im Küchenbereich oder bei der Hausarbeit / dem Wäschesortieren etc. zu?
  • Welche Farben oder auch Muster sieht Ihr Bewohner gern?


Schmecken:

  • Was schmeckt Ihr Bewohner gern?
  • Sind es dann bestimmte Sorten?
  • Bestimmte Zubereitungen?
  • Gibt es Familienrezepte?
  • Mag er Süßes, Salziges oder eher Saures?


Riechen:

  • Was riecht Ihr Bewohner gern, bezogen auf Pflegeprodukte (Cremes oder Seifen), auf das Essen, auf Gerüche in der Natur, auf Festgerüche wie zu Weihnachten, auf Parfüm etc.?

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke