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So erhalten Ihre Kunden Pflegestufe 0

01.02.2016

Kognitiv eingeschränkte Menschen und Demenzerkrankte, deren Einschränkungen so weit fortgeschritten sind, dass die Alltagskompetenz erheblich oder erhöht eingeschränkt ist, erhalten ein monatliches Betreuungsgeld von 100 € oder 200 € und Leistungen der Pflegestufe 0.

Tipp: Das Betreuungsgeld können Ihre Kunden monatlich verbrauchen oder bis zu 6 Monate ansparen, um teurere Leistungen wie etwa die Kurzzeitpflege in Anspruch zu nehmen.

 

 

Benennen Sie die entscheidenden Faktoren

Sie können Ihre Kunden am besten auf die Begutachtung der Alltagskompetenz vorbereiten, wenn Sie mit ihnen die nachfolgenden Fragen, die der Gutachter stellen wird, durchgehen.

1. Verlässt der Demenzerkrankte den Wohnbereich unkontrolliert? Das ist mit Ja zu beantworten, wenn der Erkrankte planlos durch die Wohnung läuft, ziellos oder desorientiert ist und die Wohnung ohne Absprache verlässt. Oder wenn er immer wieder z. B. seine Kinder oder Eltern außerhalb der Wohnung sucht oder zur Arbeit gehen will.

2. Verkennt oder verursacht der Erkrankte gefährdende Situationen? Das ist der Fall, wenn der Demenzerkrankte unkontrolliert auf der Straße herumläuft, Autos oder Radfahrer anhält und dadurch seine oder die Sicherheit anderer gefährdet. Oder wenn er die Wohnung in unangemessener Kleidung verlässt und sich dadurch Gefahren wie etwa einer Unterkühlung aussetzt.

3. Geht der Erkrankte mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen unsachgemäß um? Das trifft zu, wenn der Kranke Herdplatten unkontrolliert einschaltet und daraus entstehende Gefahren nicht einschätzen kann, offenes Feuer in der Wohnung machen würde oder ein elektrisches Gerät, wie etwa den Föhn, eingeschaltet in Wasser reinigen würde. Oder wenn er sich alles in den Mund steckt, was ihm in die Hände gerät, etwa Zigaretten oder Pflanzenteile. Ebenso, wenn der Erkrankte mit Medikamenten nicht angemessen umgehen kann oder verdorbene Lebensmittel isst, anstatt sie zu entsorgen.

4. Wird der Demenzerkrankte tätlich oder verbal aggressiv, weil er eine Situation verkennt? 
Das ist mit Ja zu beantworten, wenn der Betroffene schlägt, tritt, beißt, kratzt, kneift oder spuckt, mit Gegenständen wirft oder eigenes oder fremdes Eigentum zerstört. Oder wenn er die Pflegeperson oder andere ohne Grund beschimpft oder beschuldigt.

5. Verhält er sich im situativen Kontext inadäquat? 
Das ist der Fall, wenn der Kranke in die Wohnräume uriniert oder kotet, ohne dass dies in einem Zusammenhang mit einer Inkontinenz steht, oder wenn er Kot verschmiert oder isst. Ebenso, wenn der Betroffene sich ständig an- und/oder auszieht, Inkontinenzeinlagen zerpflückt, ständig an Dingen herumnestelt oder zupft, mit Essen herumschmiert, etwa indem er es mit den Händen an der Wand verteilt, Gegenstände, auch aus fremdem Eigentum, einsammelt, versteckt oder verlegt oder permanent und ohne ersichtlichen Grund ruft oder schreit.

6. Ist der Erkrankte unfähig, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen? Das ist mit Ja zu beantworten, wenn der Betroffene Hunger- und/oder Durstgefühle oder Harn- und Stuhldrang nicht wahrnimmt und/oder nicht äußern kann. Oder wenn er alles in Übermaß isst oder trinkt. Ebenso, wenn der Erkrankte Schmerzen nicht wahrnimmt oder nicht äußern und lokalisieren kann.

7. Ist der Betroffene unfähig, bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen zu kooperieren, weil eine therapieresistente Depression oder Angststörung vorliegt? Das trifft zu, wenn der Kranke den ganzen Tag apathisch im Bett liegt, den Platz, zu dem er von einer Pflegeperson gebracht wird, aus eigenem Antrieb nicht verlässt. Oder wenn es nicht möglich ist, ihn zu aktivieren. Die Therapieresistenz muss ärztlich attestiert sein.

8. Führen Gedächtnisstörungen oder mangelndes Urteilsvermögen zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen? Das ist mit Ja zu beantworten, wenn der Betroffene ihm vertraute Personen nicht mehr erkennt, bspw. seinen Ehepartner. Oder wenn er beim Einkauf nicht mehr mit (Wechsel-) Geld umgehen kann, sich nicht mehr artikulieren kann, sein Zimmer in der Wohnung oder den Weg zu seiner Wohnung nicht problemlos findet. Ebenso, wenn der Betroffene sich nach kurzer Zeit nicht mehr an getroffene Absprachen erinnert.

9. Ist der Tag-Nacht-Rhythmus gestört?
 Das ist der Fall, wenn der Erkrankte nachts unruhig und verwirrt ist oder inadäquate Verhaltensweisen zeigt, wie etwa den Wunsch nach Frühstück.

10. Kann der Betroffene den Tagesablauf eigenständig planen und strukturieren? Das ist mit Nein zu beantworten, wenn der Erkrankte seine Körperpflege und Ernährung nicht mehr angemessen und seiner Biografie entsprechend planen kann. Oder wenn er nicht in der Lage ist, Aktivitäten, wie etwa das gewünschte Fernsehprogramm, zu planen oder Planungen einzuhalten.

11. Verkennt der Kranke Alltagssituationen und reagiert er inadäquat?
 Das ist mit Ja zu beantworten, wenn der Betroffene bspw. Angst vor seinem eigenen Spiegelbild hat oder sich von Personen im Fernsehen verfolgt oder bestohlen fühlt. Ebenso, wenn er Fotos von Personen für fremde Personen in seiner Wohnung hält oder optische Halluzinationen hat.

12. Besteht ein ausgeprägt labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten?
 Das ist so, wenn der Betroffene plötzlich und/oder der Situation unangemessen weint oder euphorisch ist. Wenn er distanzlos ist und unverschämt erscheint oder wenn er gereizt und abweisend oder misstrauisch reagiert und dadurch der Umgang mit ihm erheblich erschwert wird.

13. Besteht eine zeitlich überwiegende Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression?  Das ist mit Ja zu beantworten, wenn der Kranke ständig über die Sinnlosigkeit seines Lebens oder seiner Handlungen jammert und klagt. Eine therapieresistente Depression muss ärztlich attestiert werden.

 

Hinweis: Ihr Kunde bzw. sein demenzerkrankter Angehöriger hat Anspruch auf den Grundbetrag, wenn in wenigstens 2 Fragen, davon mindestens einmal eine der Fragen 1–9 zutrifft. Den erhöhten Betrag erhält er, wenn zusätzlich zu den zutreffenden Antworten mindestens eine der Fragen 1, 2, 3, 4, 5, 9 oder 11 zutrifft.

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