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Pflegeplanung: Warum Sie als PDLs stets einen kühlen Kopf bewahren

14.05.2019

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Leitungskräfte und Pflegekräfte verzweifeln oft aufgrund der Bürokratie in der Pflege. Allein das Wort „Pflegeplanung“ hat in unserer Branche in etwa einen Beliebtheitsgrad wie Zahnstein oder Fußpilz. Wer die Ausbildung zur Pflegefachkraft gemacht hat, hat dies aus einem humanistischen Menschenbild heraus gemacht und ist dem Wunsch gefolgt, hilfebedürftigen Menschen mit Herz und Hand zur Seite zu stehen. Von redaktionellen Fähigkeiten auf Hochschulniveau war nie die Rede.

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Das folgende Beispiel kennen bestimmt viele Leser unter Ihnen:

Die PDL im Haus am Wald fordert leicht gereizt von der Pflegefachkraft Maria Schneider „endlich die Pflegeplanungen von Herr Meier, Frau Schulze-Vogelhals und Herrn Lehmann fertig zu schreiben. Bald kommt wieder der MDK“. Am späten Nachmittag beschwert sich ein Angehöriger (zu Recht) über einen auf Puppenkleid-Größe geschrumpften Pullover seiner Mutter. Maria Schneider kann nicht mehr und fängt zu weinen an. Vor ihr liegen aufgeklappte Pflegedokumentationen sowie ein Fachbuch „So macht Ihre Pflegeplanung den MDK glücklich“.

Jetzt könnte Folgendes passieren: Der Angehörige nimmt Frau Schneider in den Arm und beruhigt sie. Dann sagt er zu ihr:

„Naja, ich habe mich eben geärgert, weil doch dieses große Schild am Kleiderschrank hängt, dass wir Muttis Oberbekleidung selber waschen. Aber wie ich sehe, ersaufen Sie wieder in Bürokratie. Ich habe Hochachtung vor Ihnen und Ihren Kollegen, dass Sie neben der harten Arbeit auch noch den ganzen Papierkram schaffen. Auch wenn ich mich über den Pullover ärgere, merke ich, wie schwer Sie es hier oft haben. Ich möchte mich bei Ihnen und Ihren Kollegen für Ihre Arbeit und Ihr Engagement bedanken.“

Pflegekräfte verdienen mehr Anerkennung

Diese Art der Anerkennung ist für die Pflegekräfte ungemein wichtig. Denn eine Pflegefachkraft wird zerrieben. Einerseits drängt die PDL auf lückenlos geführte Pflegedokumentationen – andererseits sehen die Pflegekräfte, wie viel Zuwendung und wie viel Pflege ihre Bewohner bzw. Patienten tatsächlich benötigen.

Die Pflegefachkraft ist jeden Tag zerrissen von dem Konflikt, immer irgendetwas nicht oder nicht ordentlich machen zu können. Und wer tagein, tagaus, wochenlang, monate- und jahrelang immer mit diesem Konflikt leben muss, wird irgendwann krank.

Im Umgang mit den Pflegefachkräften sind auch Leitungskräfte gefragt. Um die Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber Frau Schneider auszudrücken, könnte die PDL abweichend zum obigen Beispiel so vorgehen:

Frau Schneider, wie und wann bekommen Sie es hin, die drei Pflegeplanungen Meier, Schulze-Vogelhals und Lehmann MDK-sicher zu schreiben? Sollen wir gemeinsam ein Vorgehen überlegen? Wissen Sie, Frau Schneider...ich war in der letzten MDK-Prüfung so genervt von der einen Prüferin. Die hat jedes Detail im Maßnahmenplan auseinandergenommen, die hat mich in den Wahnsinn getrieben. Ganz ehrlich, ich möchte das nicht noch einmal erleben. Ich weiß, was Sie alle hier für einen Stress haben. Und mich nerven diese Pflegeplanungen genauso wie Sie. Aber wir müssen diesen Mist eben vorhalten. Frau Schneider, ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie die anderen fünf Dokumentationen so gut hinbekommen haben. Mir ist bewusst, was Sie hier leisten und ich bin Ihnen wirklich zutiefst dankbar für Ihren Einsatz und bin auch stolz auf Ihre Kompetenz. Bitte vergessen Sie das nicht, wenn ich mal gereizt bin. Ich meine das nicht persönlich.

Dieser Vortrag einer Leitungskraft dauert vielleicht zwei Minuten, rettet aber möglicherweise Dienstpläne, Pflegequalität und die verhasste Dokumentation. Denn diese Aussage der Leitungskraft hat diese Effekte:

  • Die Pflegefachkraft fühlt sich ernstgenommen und wertgeschätzt
  • Die Pflegefachkraft merkt, dass der Leitungskraft sehr wohl bewusst ist, in welchem Spannungsfeld sie sich befindet
  • Die Pflegefachkraft erfährt glaubhaft, dass auch die Leitungskraft ordentlich Druck auf dem Kessel hat und nicht grundlos manchmal gereizt wirkt

Pflegedokumentation: So gelingt der Drahtseilakt im Bürokratie-Dschungel

Gerade der letzte Punkt führt zu einem besseren gegenseitigen Verständnis. Denn nicht nur Pflegekräfte sind Opfer der bürokratischen Vorgaben, sondern auch Leitungskräfte. Aber Leitungskräfte müssen sich einer Sache bewusst sein: Die Ansprache an eine Pflegekraft mag für die Leitungskraft alltäglich sein. Für die Pflegekraft selber aber wird die Ansprache ganz anders wahrgenommen: Denn in der Regel findet eine persönliche Ansprache vielleicht alle 3 Wochen statt.

Das heißt, dass die zwei Minuten für die Pflegekraft entscheidend für die eigene Befindlichkeit der nächsten 3 Wochen sein kann. Gibt es einen Anranzer, läuft die Pflegekraft zu Recht für drei Wochen mit einem schlechten Gefühl umher. Gibt es in den zwei Minuten aber eine Ansprache, die aufrichtigen Dank, ehrliche Wertschätzung und Anerkennung für die geleistete Arbeit beinhaltet, bleibt für die nächsten drei Wochen ein gutes Gefühl hängen. Das ist eine Verantwortung, derer sich Leitungskräfte bewusst sein müssen.

Die PDL und ihre Superkraft

Aber auch Leitungskräfte - und hier insbesondere die Pflegedienstleitungen - müssen genauso mit Dank und Wertschätzung gewürdigt werden. Denn der wohl schlimmste Job in unserer Branche ist der Posten der PDL. Die PDL ist bei den Kassen – also den Vertragspartnern Ihrer Eirichtung bzw. Ihrem Pflegedienst - gemeldet. Kommen Pflegekunden zu Schaden, sind die Dokumentationen lückenhaft und / oder wird Personal fachlich nicht korrekt eingesetzt, ist die Pflegedienstleitung in der Haftung.

Nun hat die Pflegedienstleitung aber unter anderem aufgrund des ganzen bürokratischen Irrsinns (hier Pflegevisiten, Mitarbeitervisiten, mikrodetaillierte Umsetzung der Expertenstandards usw usw) kaum Zeit, sich um das Wesentliche zu kümmern. Zudem holt sie sich jeden Freitag eine blutige Nase, wenn mal wieder Löcher im Dienstplan über das Wochenende nachzubesetzen sind.

Auch dieser Job zerreibt einen. Auf der einen Seite stehen (gerade im ambulanten Pflegedienst) betriebswirtschaftliche Vorgaben des Inhabers – auf der anderen Seite das Wohlergehen von Ihnen und den Pflegekunden. Oft passt beides nicht zusammen, was vielen Pflegedienstleitungen sehr zu schaffen macht.

Haben Sie keine Angst vor der MDK-Prüfung

Am schlimmsten sind die Tage der MDK-Prüfung: Eine MDK-Prüfung ist nichts anderes als eine Prüfung, ob alle Zettel korrekt ausgefüllt sind, Prozesse richtig beschrieben sind, Checklisten richtig angekreuzt sind – und ob die Pflegedokumentationen detailgetreu geführt sind. Es gibt Prüfungen, die für Pflegedienstleitungen schlichtweg entwürdigend sind. Da wird Ihrer Leitung eine schlechte Arbeit und eine schlechte Qualität unterstellt – nur weil in der Pflegeplanung ein paar Nanodetails zur Körperpflege fehlen oder Selbstverständlichkeiten aus Alltagstätigkeiten nicht aufgeführt sind.

Deshalb gehört zur Wertschätzung des Pflegeberufes auch die Wertschätzung der Pflegedienstleitungen. Denn die halten immer den Kopf hin, wenn Fehler passieren. Stellen Sie sich mal folgendes Beispiel vor und was es mit Ihrer PDL macht:

Nach der MDK-Prüfung ist die PDL Sarah Peters vollkommen fertig. Die letzten zwei Tage war der in der Region für seine Pingeligkeit berüchtigte Prüfer Axel Koch vor Ort. Obwohl die Pflegedokumentationen sehr gut geführt sind, hat Koch überall etwas auszusetzen gehabt und hat in dem Zuge auch die Kompetenz von Frau Peters angezweifelt. Die erfahrene PDL würde in diesem Moment am liebsten kündigen, alles hinwerfen und die Branche wechseln. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als kurz nach dem Prüfungsende zwei gelbe Scheine reinflattern und die Wochenend-Dienstplanung pulverisieren.

Ein Dankeschön tut allen gut

Mit einem einfachen, aber ehrlichen Dank können Sie die PDL wieder aufbauen. Das könnte in unserem Beispiel so aussehen:

Die Pflegefachkraft Maria Schneider setzt sich zur PDL. Sie sagt: „Frau Peters, machen Sie sich nichts draus. Wir alle aus dem Pflegeteam sind Ihnen so dankbar, dass Sie uns diesen widerlichen Prüfer vom Hals gehalten haben. Wir können uns gut in Sie hineinversetzen, was Sie aushalten mussten. Wir wissen, dass Sie immer hinter uns stehen. Dafür möchten wir uns bei Ihnen bedanken. Und weil wir es ehrlich mit Ihnen meinen, finden wir jetzt auch gemeinsam eine Lösung für die Wochenenddienste. So wie Sie mir neulich mit den drei Pflegeplanungen geholfen haben.“

Auch der Inhaber kann seinen Beitrag zur Wertschätzung der Arbeit beitragen. „Frau Peters, machen Sie sich keine Gedanken. Wir warten den Prüfbericht ab. Und wenn dort ungerechtfertigte Sachen drinstehen, gehen wir zusammen zum Fachanwalt und machen Druck. Ich bin froh, dass Sie meine PDL sind und ich möchte auch keine andere PDL. Ich danke Ihnen, dass Sie die Prüfung wie immer professionell und gut über die Bühne gebracht haben. Sie sind eine tolle Leitungskraft – das meine ich wirklich ernst!“

Neben den Pflegefachkräften hat die PDL den größten Anteil an der Bewältigung des bürokratischen Irrsinns. Insofern geht der Appell an alle Inhaber, Geschäftsführer, Angehörige und auch andere an der Versorgung beteiligte Dienstleister: Zeigen Sie immer wieder Anerkennung und Wertschätzung, was diese beiden Gruppen neben ihrer eigentlichen Arbeit auch noch leisten müssen.

Sowohl Pflegedienstleitungen als auch Pflegefachkräfte wollen mit den Pflegekunden arbeiten – und nicht mit dem Papier. Und dennoch werden sie immer wieder dazu gezwungen. Diesen Zwiespalt auszuhalten, verdient jeden Tag aufs Neue Anerkennung, Dank und Respekt!

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