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Umgang mit Wahrheit oder wahrhaftiger Umgang

21.08.2017

Sicherlich kommen Sie auch immer wieder in die Bredouille, wenn Sie z. B. von einem Pflegekunden auf bestimmte Sachverhalte „festgenagelt“ werden. Hier gilt es dann abzuwägen: Geht es dem Betroffenen um Faktenwissen – also Wahrheit, oder geht es ihm um Verständnis – also wahrhaftigen Umgang?

 

 

Praxisfall: Herr Maier äußert jeden Morgen bei den Mitarbeitern der Pflege, dass er sich so schwach fühlt. Dann fragt er, ob er bald sterben muss. Die Kollegen wissen nicht, wie sie die Frage von Herrn Maier verstehen sollen. Benötigt Herr Maier Faktenwissen zu seinem Gesundheitszustand oder geht es ihm um anteilnehmendes Verständnis seiner Gesamtsituation, die von Ängsten vor der ungewissen Zukunft geprägt ist?

„Wie lange dauert es denn noch?“

Auch diese Frage bekommen Sie gewiss häufig von Angehörigen gestellt, wenn sich der zu Pflegende in der akuten Sterbesituation befindet. Fraglich bleibt, ob es den Angehörigen hierbei um einen konkreten Zeitpunkt geht – den niemand mit Sicherheit angeben kann – oder ob es darum geht, die eigene Befindlichkeit auszudrücken.

Sollten Sie unschlüssig sein, ob es Ihrem Gesprächspartner um Wahrheit oder wahrhaftigen Umgang mit seiner Befindlichkeit geht, können Sie die hier aufgeführte Entscheidungshilfe nutzen. Sie hilft Ihnen auch dabei, konkrete Maßnahmen für Ihren Gesprächspartner zu organisieren.

Mögen Ihnen die oben aufgeführten Beispiele eher trivial erscheinen, so werden Ihnen sicherlich auch gravierendere Situationen einfallen, in denen Sie zwischen Wahrheit und Verständnis für den Betroffenen hin- und hergerissen sind. Sammeln Sie mit Ihrem Team solche Beispiele. Führen Sie hierüber eine Fallbesprechung durch. Überlegen Sie gemeinsam, ob im vorliegenden Fall die Wahrheit gefordert war oder es den Akteuren um etwas anderes ging, nämlich Mitgefühl und Verständnis, also Vertrauen.

Muster: Entscheidungshilfe für eine wahrheitsgemäße oder wahrhaftige Begleitung

Was benötigt Ihr Gesprächspartner?

  • Wer kann das Faktenwissen vermitteln?
  • Wie viel Faktenwissen möchte Ihr Gesprächspartner vermittelt haben?
  • Wen möchte Ihr Gesprächspartner mit in das Gespräch einbeziehen?
  • Soll das Gespräch noch einmal wiederholt werden? Wenn ja, wann:

Verständnis für seine aktuelle Situation:

  • Wer ist für Ihren Gesprächspartner eine Vertrauensperson?
  • Soll diese Person verständigt werden?
  • Was vermittelt Ihrem Gesprächspartner Kraft und Halt in der aktuellen Situation?
  • Mit wem möchte Ihr Gesprächspartner die aktuelle Situation besprechen?

Maßnahmen, die Sie für Ihren Gesprächspartner ergreifen sollen:

Die Maßnahmen sollen von Ihnen oder Ihrem Team bis zum ... ergriffen werden.

Ort, Datum, Erfasst durch (Name des Mitarbeiters)

Neue Betreuungskräfte-Richtlinie seit dem 01.01.2017

Nun dürfen die zusätzlichen Betreuungskräfte z.B. keine hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und keine körperlichen Pflegemaßnahmen durchführen. Lernen Sie in Tagespflege aktuell die wesentlichen inhaltlichen Änderungen kennen.

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