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Validation als ein Zugang zu Menschen mit Demenz

01.03.2019

Ich weiß nicht, was und wie ich etwas verändern soll bei meinen Mitmenschen. Vielleicht sind wir eines Tages fähig, die Menschen auf eine andere Weise zu ‘ sehen’, und wir werden erkennen, dass es keinen Weg gibt, sie zu verändern. Was wir verändern können, ist die Wahrnehmung von ihnen. Das ist alles und doch so schwer.“ (Eine andere Realität; Carlos Castaneda)

Bei der Validation in der Arbeit mit Demenzkranken handelt es sich eher um ein Bündel von Umgangsprinzipien als um ein klassisches Therapieverfahren. Begründerin der Validation – was sinngemäß Gültigkeitserklärung bedeutet – ist die Amerikanerin Naomi Feil, die bei uns aufgrund ihres großen schauspielerischen Talents, mit dem sie verwirrte Menschen darstellt, nach wie vor große Säle füllt. In Deutschland wurde die Methode der Validation, die sowohl eine grundsätzliche Haltung zum Krankheitsbild „Demenz” ist und gleichzeitig auch eine konkrete Umgangsweise darstellt, von Nicole Richards unter dem Begriff „integrative Validation” weiterentwickelt.



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Demenz, um Konflikte aus der Vergangenheit aufzuarbeiten?

Die Methoden von Feil und Richards unterscheiden sich hauptsächlich in ihren Grundannahmen über das Verhalten von Demenzkranken. Das Modell von Feil wird besonders deshalb kritisiert, weil sie hirnorganische Veränderungen bei Demenzkranken leugnet und die Meinung vertritt, dass hochaltrige Menschen bewusst die Vergangenheit suchten, um hier ungelöste Konflikte aufzuarbeiten und unerledigte Dinge abzuschließen, mit dem Ziel, eine Lebensbilanz zu ziehen und gelassener zu sterben. Ein nach heutigen Erkenntnissen unhaltbarer Ansatz. Richards hat diese Methode weiterentwickelt, sieht allerdings nicht den Zusammenhang zwischen ungelösten Lebenskonflikten und einer Demenz und entzieht sich daher dem Vorwurf der Diagnoseblindheit. Die nachfolgenden Aussagen beziehen sich deshalb auf das Konzept von Richards.

Demenzkranke leben in ihrer eigenen Welt

Sie erleben in Ihrer Arbeit immer wieder, dass Demenzkranke zunehmend weniger in der Lage sind, sich in der Gegenwart zu orientieren. Unsere Realität erscheint dem Erkrankten immer unklarer und unverständlicher, und die Zukunftsorientierung geht verloren. Erinnerungen an die Vergangenheit sind aber noch lange möglich. Diese Erinnerungen erlebt der demenzkranke Mensch als seine innere Wirklichkeit. Sie sind in ihm spürbar, lebendig und wahr, also seine Realität. Diese so genannten Erinnerungsinseln sind für ihn wie „Lichtungen im Nebel“. Erinnerungen an die Vergangenheit (für den Erkrankten seine Gegenwart!) können in ihm Gefühle von Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit aufkommen lassen, aber z. B. auch Stolz auf seinen Status oder seine Kompetenzen hervorrufen.

Für Sie als Pflege- und Betreuungsperson kann die validierende Arbeit zu einem verbesserten und tieferen Verständnis für die Erlebnis- und Verhaltensweisen der Erkrankten führen und so für alle Beteiligten einen besseren Umgang ermöglichen. Wenn Sie in der Lage sind, die Gefühle, Erlebniswelten und Realitäten des Demenzkranken zu verstehen, können Sie die daraus resultierenden Verhaltensweisen eher und leichter akzeptieren, wertschätzen und annehmen.

Ziele der Validation

Die Ziele der Validation sollen dem Demenzkranken Folgendes vermitteln:

  • Sicherheit
  • Entspanntheit
  • ein Gefühl des Akzeptiertwerdens
  • personale Identität
  • Verminderung von Stress
  • Zugehörigkeit
  • Kontakte und emotionale Beziehungen

Methodik und Vorgehensweise

Validation bedeutet, dass Sie die Äußerungen, Handlungen und Sichtweisen des Menschen mit Demenz gelten lassen, für gültig erklären, sie nicht korrigieren oder an unserer Realität überprüfen. Der Erkrankte wird von Ihnen in seiner Erlebniswelt ernst genommen, wertgeschätzt und akzeptiert. Dabei sollten Sie die Annahme voraussetzen, dass es unterschiedliche Realitäten gibt. Die Methode der Validation geht davon aus, dass die Gefühle des Erkrankten auf der Basis seiner Erlebenswelt, eben seiner Realität, angemessen und logisch sind.

Sie begeben sich auf die Erlebnis- und Zeitebene des Demenzkranken

Gefühle: Bei der Validation versuchen Sie, die Gefühle zum Verhalten des Demenzkranken zu verstehen. Sie begleiten den Erkrankten in seine Gefühlswelt, unterstützen ihn und gehen für eine Zeit „in den Schuhen des Verwirrten“.

Emotionale Stimmung: Die emotionale Stimmung des Demenzkranken wird von Ihnen durch Spiegelung der Gestik, Mimik, des Dialekts, des Tonfalls und der Bewegungen aufgenommen. Stimme, Sprache und Körperhaltung werden also gezielt eingesetzt. Als validierend Tätige, stellen Sie im Dialog Fragen, um sich klarer in die Erlebniswelt des Verwirrten einfühlen zu können. Dabei sprechen Sie den demenziell Erkrankten bewusst nicht auf der rationalen Ebene an, sondern ausschließlich auf der Gefühlsebene. Hinweis: Bestimmte „W-Fragen“ wie Warum, Wieso, Weshalb, usw. sollten unterbleiben.

Erlebnis- und Zeitebene: Sie begeben sich auf die Erlebnis- und Zeitebene des Demenzkranken. Orientieren Sie sich nicht an Ihrer Realität, sondern an der des Erkrankten. Dies ist nicht immer leicht, aber wichtig, weil eine Verständigung zwischen 2 Menschen nur möglich wird, wenn sie sich auf der gleichen Kommunikations- und Erlebnisebene befinden. Der Demente ist zu so einem solchen Perspektivenwechsel aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr in der Lage.

Hinweis: Wenn der Erkrankte spürt, dass seine Gefühle und Wahrnehmungen ehrlich aktzeptiert und nicht abgelehnt werden, dann fühlt er sich von Ihnen zunehmend angenommen, aufgefangen und entwickelt auf diese Weise Entspannung und Vertrauen. Ist Ihnen dieses gelungen, wird der Zutritt zur oben beschriebenen „Lichtung im Nebel“ möglich und durch Ihre Begleitung vermitteln Sie Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit und Schutz.

Das sind 3 konkrete Schritte in der Validation

1. Schritt:

Sie fragen sich als Pflegeoder Betreuungskraft: Was sind die Gefühle des demenziell Erkrankten? Welche Gefühle bewirken seine Handlungen und Handlungsimpulse? Beispiele: Der Erkrankte ist aufgeregt, hilflos, fühlt sich einsam, traurig, sorgenvoll, ist pflichtbewusst.

2. Schritt:

Die wahrgenommenen Gefühle und Antriebe werden von Ihnen mit kleinen Sätzen, die dem Sprachgebrauch des Erkrankten angepasst sind, formuliert, angenommen, akzeptiert, wertgeschätzt und zugelassen. Beispiel: Sie sind gerade ganz aufgeregt; Sie fühlen sich hilflos; das macht Sie traurig; Sie fühlen sich sehr einsam; Sie sorgen sich; Sie wollen schließlich Ihre Pflicht erfüllen.

3. Schritt:

Diese Aspekte werden im weiteren Verlauf von Ihnen mit Sprichwörtern, Volksweisheiten, Redewendungen, Liedern u. Ä. allgemein validiert. Auch die Vertrautheit von Allgemeingesprächen können Sie sich dabei zunutze machen. Beispiel: Ohne Fleiß kein Preis; Ordnung ist das halbe Leben; trautes Heim, Glück allein; das schnürt einem den Hals zu; da wird einem angst und bange; manchmal weiß man weder ein noch aus; nichts ist mehr wie früher.

Validation: Praktikabilität im Pflegealltag

Die Theorie der Validation ist im Grunde einfach, die Umsetzung in die Praxis erfordert trotz der nicht besonders schwierigen und praktischen Techniken allerdings ein wenig Übung und die Reflexion aller Mitarbeiter. Das heißt: Es wäre schön, wenn Ihr gesamtes Team mit dieser Methode und dieser Haltung arbeitete.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die gute Kenntnis der Biografie des Betroffenen, ohne die die Arbeitsweise der Validation nur schlecht bis gar nicht funktioniert.

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