Verlag & Akademie

Mit kleinen Veränderungen können Sie wahnhaften Verkennungen bei Ihren Pflegekunden entgegenwirken

27.03.2020

Wie Sie wissen, werden durch kognitive Störungen Erlebnisse oder Eindrücke falsch interpretiert. So kann es zu Verhaltensauffälligkeiten wie z. B. zu wahnhaften Verkennungen (Sinnestäuschungen, Wahnvorstellungen) kommen, die fast jede Pflegekraft kennt. Denn bestimmt sind auch Sie schon einmal von einem demenzkranken Patienten beschuldigt worden, Gegenstände gestohlen zu haben.

Aus dem Pflegealltag

Der Demenzkranke ordnet Gesehenes oder Gehörtes falsch zu:

  • Gewitter, peitschende Äste gegen die Scheibe, Rufe und Schreie von Mitbewohnern werden als Kriegsgeräusche wahrgenommen.
  • Schatten oder Bewegungen aus den Augenwinkeln werden als Personen gesehen.
  • Muster im Bodenbelag werden als Hindernisse oder Lebewesen wahrgenommen.
  • Stimmen aus dem Radio oder Geschehnisse aus dem Fernsehen werden der Realität zugeordnet.

Der Demenzkranke versucht, Geschehenes oder Gesehenes in sein Weltbild einzuordnen und seinem Umfeld zu erklären:

  • Das Bett ist durch ein Loch im Dach nass geworden.
  • Das eigene Spiegelbild wird als alte Frau gesehen.
  • Die Tochter wird als eine ungebetene Besucherin verkannt.
  • Der Ehepartner wird falsch zugeordnet, da sich der Erkrankte jung und dynamisch fühlt, der Partner also eher der Elterngeneration angehören könnte.
  • Es wird behauptet, dass etwas gestohlen wurde.
  • Der Demenzkranke fühlt sich ständig verfolgt oder glaubt von außen beeinflusst zu werden.
  • Das Spiegelbild oder Familienmitglieder werden als Fremde wahrgenommen, die den Kranken ständig beobachten oder anstarren.

Der Demenzkranke sieht oder hört etwas, das gar nicht vorhanden ist und das auch nicht auf Sinnestäuschungen zurückgeführt werden könnte:

  • Die Kinder müssen dringend versorgt werden.
  • Die Küken im Stall müssen gefüttert werden.
  • Der Hund muss spazieren geführt werden.

Hinweis: Die Behandlung dieser nicht kognitiven Symptome ist ebenso wichtig wie die Behandlung der kognitiven Symptome, denn die oben genannten Verhaltensauffälligkeiten können bei dem Erkrankten und den Angehörigen oder Pflegekräften enormen Stress und Angst auslösen. Unter Umständen wird durch wahnhafte Verkennungen die Grenze des Alleinlebens, des Betreuens zu Hause oder in einer gewöhnlichen Einrichtung erreicht.

Veränderungen sind oft der Auslöser

Zu den Auslösern von wahnhaften Verkennungen gehören häufig Veränderungen in der Umgebung, die den Kranken überfordern, z. B. kann ein geänderter Tagesablauf, der Einsatz einer neuen Pflegekraft, eine Veränderung in der Häuslichkeit oder der Umzug ins Pflegeheim wahnhafte Verkennungen auslösen.

So wirken Sie wahnhaften Verkennungen entgegen

Suchen Sie in der direkten Umgebung, was sie wahnhafte Verkennung ausgelöst haben könnte, und beseitigen Sie diese Auslöser:

  • Spiegel, Bilder oder Gegenstände (Figuren, Nippes, Möbelstücke usw.): Verhängen oder entfernen Sie alles, was Angst auslöst.
  • Fernsehgerät oder Radio: Wenn diese Ängste auslösen, schalten Sie diese nicht ein oder entfernen Sie sie.
  • Dunkle Ecken und Räume: Leuchten Sie diese besser aus.
  • Gardinen, Jalousien: Wenn Bewegungen der Gardinen Ängste auslösen, eventuell abnehmen, wenn ständig von außen beobachtet wird, eventuell Jalousien zuziehen.

Verbessern Sie mit Brille, Hörgerät oder einer besseren Beleuchtung die Wahrnehmung. Ein strukturierter Tagesablauf und sinnvolle Aufgaben können von wahnhaften Verkennungen ablenken.

Medikamentöse Behandlung

Wie Sie oben lesen können, reicht es häufig schon aus, wenn Sie kleine Veränderungen vornehmen und so die Angstauslöser für wahnhafte Verkennungen beseitigen. Allerdings kann es auch notwendig sein die Verhaltensauffälligkeiten medikamentös zu behandeln. Doch der Arzt sollte bei der Verordnung der medikamentösen Therapie immer darauf achten, dass der Demenzkranke die Medikamente auch verträgt.

Denn häufig haben Psychopharmaka, Antipsychotika oder Antidepressiva negative Wirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten. Daher sollten die Medikamente wenn möglich gering dosiert und nur kurze Zeit angewandt werden. Zudem sollten Medikamente nur zur Behandlung der akuten Symptome und nicht zur Sedierung verwendet werden.

Ausschlaggebend für die Verordnung sollte das Leiden unter den Verkennungen bzw. die Selbst- oder Fremdgefährdung sein. Zudem sollte stets auf die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten geachtet werden. Als Pflegekraft sollten Sie insbesondere auf Gangunsicherheiten Ihrer Patienten achten, da es beim Einsatz der Medikamente häufig zu einer erhöhten Sturzgefahr kommen kann.

Hinweis: Einige Mediziner sind der Ansicht, dass Psychopharmaka, Antipsychotika oder Antidepressiva die Verwirrtheit von Demenzpatienten nur erhöhen, und vermeiden eine Verschreibung wann immer möglich.

Das sollten Sie im Umgang mit den Patienten beachten

  • Versuchen Sie, Ihr Gegenüber auf der Gefühlsebene zu erreichen. Damit Sie das schaffen, sollten Sie sich schon vor Auftreten der konkreten Situation fragen, wie Sie sich verhalten möchten. Sind Sie in der Lage, mitzuspielen oder den Menschen in ihrer Situation entgegenzukommen? Bleiben Sie in jedem Fall authentisch und sich treu. Ein widerwillig gespieltes Handeln wird von den Betroffenen meist sehr schnell entlarvt.
  • Greifen Sie die wahnhaften Verkennungen Ihres Patienten nicht an, sondern nehmen Sie diese ruhig hin, tolerieren Sie diese und reden Sie dem Patienten die wahnhaften Verkennungen nicht aus. Sehen Sie sie keinesfalls als boshaft gewolltes Konstrukt an. Sie sind krankheitsbedingt.
  • Tauschen Sie sich zum Thema wahnhafte Verkennungen mit Ihren Pflegekollegen aus und legen Sie gemeinsam fest, wie Sie damit umgehen möchten.
  • Versuchen Sie, den Grund für die wahnhaften Verkennungen zu finden und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, z. B. gemeinsames Suchen eines vermissten Gegenstandes an typischen Orten oder ins Erzählen kommen über Dinge und Zeiten, die den Kranken zu beschäftigen scheinen.
  • Seien Sie sich auch bewusst, dass wahnhafte Verkennungen schwankend auftreten können, es kann also sein, dass Sie einen Wahn mitspielen wollen, obwohl der Mensch mit Demenz in dieser Situation gerade vollkommen orientiert ist.
  • Vermitteln Sie Ihrem Patienten Geborgenheit, indem Sie beruhigend mit ihm sprechen und ihn sanft berühren. Allerdings kann eine zu große Nähe für Patienten mit wahnhaften Vorstellungen bedrohlich sein, daher sollten Sie die richtige Balance zwischen Abstand und Nähe finden.
  • Stellen Sie einen vertrauensvollen Kontakt zu Ihrem Patienten her, unterstützen Sie ihn positiv und zeigen Sie Verständnis. Denn Menschen mit wahnhaften Verkennungen trennen sehr stark nach Gut und Böse. Wenn Sie als Pflegekraft zu den guten Menschen gehören, sind Sie Vertrauensperson und kein Verfolger. Nehmen Sie den Wahn aber nicht persönlich, es muss nicht mit Ihrem Verhalten zu tun haben, wenn Ihnen misstraut wird oder Ihnen Dinge vorgeworfen werden.
  • Versuchen Sie, den Kranken abzulenken.
  • Dokumentieren Sie alle Verhaltensauffälligkeiten und informieren Sie den Arzt nachweislich.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke