Elektromobilität im Pflegedienst: Vor- und Nachteile von E-Autos
Überlegen Sie als Pflegedienstleister, Ihren Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen? Da sind Sie nicht der einzige: Die Zahl der Pflegedienste, die ihre Mitarbeiter mit Elektroautos ausstatten und auf Elektromobilität umsteigen, wächst. Dies hat auch das Ergebnis eines Anwenderforums ergeben (s.u.). Trotzdem gibt es vielerorts noch Vorbehalte: Solange die Akkus keine vernünftige Reichweite haben, es ein nur dünnes Netz an Ladestationen gibt und die Fahrzeuge einen Preis zum Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung haben, wird jeder wirtschaftlich denkende Dienst statt auf Elektromobilität weiterhin auf den Einsatz von Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb zurückgreifen. Kritiker bemängeln in erster Linie die geringe Reichweite und hohe Kosten beim Erwerb. Andererseits: Der Klimawandel macht sich bemerkbar, fossile Brennstoffe werden knapp, beim Thema Mobilität sind sind also Lösungen gefragt.
Rund 200.000 E-Fahrzeuge in Deutschland unterwegs
Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und aktueller Marktanalysen hat sich der deutsche Markt für Elektrofahrzeuge bis 2025/2026 deutlich weiterentwickelt. Im Jahr 2025 erreichten die Neuzulassungen von batterieelektrischen Pkw (BEV) ein Rekordhoch mit rund 490.000 neuen Zulassungen und einem Anteil von rund 19 % aller Neuwagen in Deutschland, was eine spürbare Erholung und deutliches Wachstum gegenüber den Vorjahren zeigt. Insgesamt machten elektrisch angetriebene Pkw (BEV einschließlich Plug-in-Hybride) bis Ende November 2025 einen Anteil von etwa 4,1 % am Gesamt-Pkw-Bestand aus. Im Jahr 2026 wird erwartet, dass die Zahl der Neuzulassungen reiner Elektroautos weiter steigt, mit Prognosen von rund 693.000 BEV-Neuzulassungen, während elektrisch unterstützte Fahrzeuge einschließlich Plug-in-Hybriden knapp eine Million Zulassungen erreichen könnten, falls entsprechende staatliche Fördermaßnahmen umgesetzt werden.
Kurze Wege, planbare Fahrten
Gerade die ambulanten Pflegedienste in Städten sind im Grunde prädestiniert für alternativ betriebene Fahrzeuge: Kurze Wege und planbare Fahrten sowie mehrere 10.000 Kilometer Fahrtstrecke pro Jahr sind unbestreitbar eine gute Voraussetzung für die Anschaffung entsprechender Fahrzeuge. Bei E-Autos ist der Dreh- und Angelpunkt, nicht mit einem leeren Akku liegenzubleiben. Bei kurzen Fahrtstrecken sollte das jedoch kein Problem sein. Bei längeren Fahrten über Land wird es jedoch wegen mangelnder Infrastruktur der Elektromobilität häufig schwierig. Tankstellen für Verbrennungsmotoren gibt es genug – bei öffentlichen Ladestationen für E-Autos sieht die Sache bekanntlich anders aus. Gerade bei Pflegediensten jedoch ist es unerlässlich, jederzeit von A nach B gelangen zu können. Hier helfen private Ladestationen, die entweder im Betrieb selbst oder auch in der Garage des Mitarbeiters installiert werden können.
Auch gemeinnützige Einrichtungen, wie der Caritasverband, steigen auf Elektromobilität um
Die Gemeinde Haar bei München zum Beispiel hat mit einem Projekt bereits im Jahr 2016 der „Nachbarschaftshilfe“ einen Zuschuss für zwei Elektroautos spendiert. Seitdem fahren die Pflegekräfte auch mit Elektroantrieb zu ihren Patienten. Ein Jahr später zog die Caritas nach. Auch andere gemeinnützige Einrichtungen in Deutschland verzichten bei ihrem Fuhrpark mittlerweile auf Verbrennungsmotoren und setzen wie die Caritas auf Elektromobilität.
Ein Drittel weniger Kraftstoff
Die Caritas hatte bereits 2018 damit begonnen, ihre Fahrzeugflotten stärker auf Elektromobilität umzustellen und damit auch wirtschaftliche Potenziale zu nutzen. In Nordrhein-Westfalen nutzten 25 Ortsverbände rund 165 elektrisch betriebene Kleinfahrzeuge für die ambulante Pflege, mit denen in der Jahresbilanz etwa 3.000 Menschen versorgt wurden – bei überwiegend kurzen täglichen Einsatzstrecken, für die sich Elektromobile besonders eignen. Förderprogramme des Landes, die Kaufzuschüsse und Umweltprämien beinhalteten, erleichterten die Anschaffung der Fahrzeuge und machten die Umstellung wirtschaftlich attraktiver. Die fachliche Begleitung der Elektrifizierung erfolgt über die 2018 gegründete Caritas-Dienstleistungsgenossenschaft (cdg), die Caritasverbände beim Übergang zu Elektrofahrzeugen und beim Aufbau der Ladeinfrastruktur unterstützt. Nach Ansicht der Caritas könnten Fördermaßnahmen darüber hinaus weiterhin dazu beitragen, Anschaffungskosten deutlich zu senken und die Wirtschaftlichkeit der Flottenumstellung zu verbessern, da der Fuhrpark in der ambulanten Pflege traditionell einer der größten Kostenfaktoren ist.
Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge für die Caritas und grundsätzlich für Pflegedienste spezielle Ausstattungsmerkmale aufweisen, die den Pflegekräften die Arbeit erleichtern sollen. Das betrifft z.B. spezielle Halterungen für die Desinfektionsflasche, Sichtschutz für Patientenakten oder zusätzliche Beleuchtungsmöglichkeiten, um seine Utensilien auch im Dunkeln schnell zu finden.
Elektromobilität im Pflegedienst: Elektroautos können zu Hause aufgeladen werden
Im Normalfall müssen die Caritas -Mitarbeiter die Elektrofahrzeuge zum Feierabend nicht am Standort ihres Pflegedienstes abstellen, sondern können mit dem Wagen nach Hause fahren und am Morgen wieder zum Dienst durchstarten. Über Nacht lädt der Akku z. B. in der privaten Garage an einer handelsüblichen Steckdose auf. Dazu waren jedoch einige Vorarbeiten notwendig, damit der Strom über einen Zähler mit dem Unternehmen ohne große Komplikationen abgerechnet werden kann. Möglich ist jedoch auch, ausreichend Ladestationen im Betrieb vorzuhalten, wenn die Angestellten die Firmenwagen zu Dienstschluss wieder abgeben müssen.
Vorteile und Nachteile der Elektromobilität auf einen Blick
Die Anschaffung eines Elektromobils hat Vor- und Nachteile. Eine Anschaffung will deshalb gut überlegt sein und bedarf einer umfassenden Orientierung. Weil es in erster Linie um die Wirtschaftlichkeit geht, müssen viele Faktoren bedacht werden.
| Vorteile von Elektroautos | Nachteile eines Elektrofahrzeugs |
| Geringere Betriebskosten als ein herkömmliches Fahrzeug (im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist Strom vergleichsweise günstig) | Höherer Anschaffungspreis |
| Kein Ausstoß von CO2-Emissionen | Begrenzte Infrastruktur (wenig Ladestationen) |
| Geräuscharmes Fahren (keine Motorengeräusche) | Begrenzte Reichweite des Akkus |
| Elektroautos sind weniger anfällig für Verschleiß | Entwicklung der Batterien sind noch ausbaufähig |
| Durch verschiedene Fördermaßnahmen wie Steuervergünstigungen sind die Unterhaltungskosten relativ niedrig | Teilweise lange Ladedauer des Akkus |
Während die höheren Kosten bei der Anschaffung eines Elektroautos häufig als einer der größten Nachteile angesehen werden, ist es zweifellos der Umweltaspekt, der als wesentlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen betrachtet wird. Für den Antrieb benötigen Elektroautos im Gegensatz zu normalen Pkw kein zu Benzin oder Diesel umgewandeltes Erdöl. Deshalb wird während der Fahrt kein klimaschädliches CO2 in die Umwelt abgegeben. Obwohl der Erwerb einer Flotte von Elektrofahrzeugen im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen zunächst kostenintensiver ist, sind die Unterhaltungskosten ungleich günstiger (hiervon geht auch die Caritas bei ihrem Vorhaben aus). Eine Stromladung für rund 100 Kilometer kostet etwa halb so viel wie Benzin oder Diesel.

Niedrigere Reparaturkosten bei Elektrofahrzeugen
Darüber hinaus gibt es weitere Vergünstigungen, z.B. die Befreiung von der Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren. Reparaturkosten sind bei den sogenannten Stromern meistens ebenfalls niedriger: Anders als Verbrennungsmotoren sind Elektromotoren deutlich weniger anfällig für Schäden; und die Energieeffizienz ist eine bessere. Trotzdem ist natürlich auch hier eine regelmäßige Wartung und Pflege des Fahrzeugs notwendig.
Elektro-Autos: Oft sinnvoll für Pflegedienste
Der Kauf von Elektrofahrzeugen, gerade Kleinwagen, machen besonders Sinn, wenn die Gegebenheiten dafürsprechen: Gerade ambulante und in Städten ansässige Pflegedienste, wie die Caritas, sind in den meisten Fällen mit kleinen und leichten Wagen unterwegs, und das mit meist niedrigen Geschwindigkeiten, oft auch im Stop-and-go-Verkehr. Weil die Herstellung der in E-Autos enthaltenen Technologie wie z.B. das aufwändige Batteriesystem, viele wertvolle Ressourcen bindet und nicht immer klimafreundlich ist, sollte aus Umweltschutzgründen ein Elektrofahrzeug nur dort zum Einsatz kommen, wo es effektiv ausgelastet ist. Auch das ist bei Pflegediensten der Fall.
Wie wird die Anschaffung eines E-Fahrzeuges gefördert?
Der Kauf von Elektroautos wird in Deutschland staatlich gefördert. Auch private Energieanbieter verfügen über Subventionsprogramme.
Staatliche Bank subventioniert E-Fahrzeuge
Wer den klassischen Weg bei der Finanzierung geht, kann sich an die KfW-Bank wenden. Der staatliche Kreditgeber hat besonders zinsgünstige Angebote zur Finanzierung von E-Autos in seinem Portfolio, die von Drittbanken vergeben werden.
Tipp: Beachten Sie bei dieser Möglichkeit, dass es sich um reine Elektrofahrzeuge handeln muss und nicht um Hybride. Es werden nur bestimmte Fahrzeugtypen verschiedener Hersteller gefördert. Außerdem gibt die KfW-Bank Zuschüsse für die Errichtung von Ladestationen.
Umweltbonus vom Staat und von den Autoherstellern
Seit 2016 gab es in Deutschland mit dem sogenannten Umweltbonus ein staatliches Förderprogramm für Elektroautos und Plug-in-Hybride, das ursprünglich ein Gesamtvolumen von etwa 1,2 Milliarden Euro umfasste und bei dem sich Staat und Autohersteller die Förderung jeweils zur Hälfte teilten. In dieser ersten Förderphase betrugen die Zuschüsse für reine Elektrofahrzeuge rund 4.000 Euro und für Plug-in-Hybride etwa 3.000 Euro (Bedingungen, Fahrzeugpreisgrenzen etc. eingeschlossen). Die Abwicklung erfolgte über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Dieses Programm wurde am 17. Dezember 2023 beendet; seitdem standen bis Ende 2025 keine klassischen BAFA-Kaufprämien mehr für Privatpersonen zur Verfügung.
Ende 2025 beschloss die Bundesregierung jedoch ein neues, sozial gestaffeltes E-Auto-Förderprogramm, das ab 1. Januar 2026 in Kraft tritt. Danach können Privatpersonen, je nach Haushaltseinkommen, Familiengröße und Fahrzeugtyp, Zuschüsse zwischen etwa 1.500 Euro und 6.000 Euro beantragen. Für reine Elektroautos beträgt die Basisförderung mindestens 3.000 Euro, bei niedrigerem Einkommen oder Kindern steigen die Beträge bis auf 5.000 Euro oder mehr; für förderfähige Plug-in-Hybride gibt es geringere Zuschüsse. Die Förderung wird über ein dreijähriges Programm mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Euro realisiert und über die BAFA verwaltet. Sie gilt für Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2026 und kann rückwirkend beantragt werden.
Dienstwagen: Neues Gesetz
Wenn Geschäftsführer, Pflegedienstleiter oder Pflegekräfte eines Unternehmens mit einem elektrisch betriebenen Fahrzeug unterwegs sind, gilt das kostenfreie oder vergünstigte Aufladen beim Arbeitgeber in vielen Fällen nicht als geldwerter Vorteil und muss daher nicht versteuert werden, sofern es zusätzlich zum regulären Arbeitslohn gewährt wird – diese Steuerbefreiung gilt grundsätzlich für das Aufladen am Arbeitsplatz bis mindestens Ende 2030 (§ 3 Nr. 46 EStG).
Für elektrisch betriebene Dienstwagen gelten zudem deutlich günstigere Regeln zur Besteuerung des geldwerten Vorteils im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor. Statt der üblichen 1 %-Regel des Bruttolistenpreises wird für voll elektrisch angetriebene Firmenfahrzeuge mit einem Listenpreis bis 100.000 Euro ein reduzierter Satz von 0,25 % des Listenpreises pro Monat angesetzt. Fahrzeuge mit einem Listenpreis über 100.000 Euro unterliegen meist der 0,5 %-Regelung als Bemessungsgrundlage für den geldwerten Vorteil. Für bestimmte Plug-in-Hybride kann ebenfalls die 0,5 %-Regelung gelten, wenn sie bestimmte Umweltkriterien (z. B. elektrische Reichweite, CO₂-Grenzen) erfüllen. Diese Vereinfachung führt zu einer geringer belasteten Lohnsteuer, weil der geldwerte Vorteil für die private Nutzung des Dienstwagens niedriger angesetzt wird als bei Verbrennern.
Unterschiedliche Regeln für notwendige Einbauten
Während die staatlichen Kaufprämien für Elektroautos bundeseinheitlichen Kriterien folgen, ist die Förderung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, also der notwendigen Stromleitungen, Steckdosen und Wallboxen, in Deutschland Ländersache und kann stark variieren. Bundesweit gibt es derzeit keine einheitliche staatliche Förderung privater Wallboxen mehr; die frühere KfW-Förderung ist eingestellt und wird 2026 nur in Teilen neu aufgelegt (z. B. Förderung für Mehrparteienhäuser) – Details dazu werden voraussichtlich im Jahreslauf finalisiert.
Darüber hinaus bieten Kommunen und Energieversorger lokal eigene Zuschüsse oder Sonderkonditionen für den Einbau von Wallboxen an, die sich in Höhe und Umfang stark unterscheiden können. Antragstellung und Voraussetzungen (z. B. Antrag vor Bestellung der Wallbox, Ökostrompflicht) sind je nach Fördergeber unterschiedlich geregelt und müssen im Einzelfall geprüft werden.
Leasing kann sich rechnen
Beim Kauf winken staatliche Förderungen und Steuervorteile, beim Leasing weitere steuerliche Boni für Unternehmen. Auch beim Leasing fördert der Staat den Kauf durch Leasingunternehmer unter anderem über den Umweltbonus. Im Leasingvertrag zwischen Pflegedienst und Leasingfirma muss jedoch der Eigenanteil des jeweiligen Herstellers abgezogen werden. Dieser Anteil muss mindestens 50 Prozent des Umweltbonus betragen. Der höhere Kaufpreis schlägt sich zwar in der monatlichen Leasingrate nieder, kann sich aber wegen der geringeren Treibstoffkosten u.ä. trotzdem rechnen. Hinzu kommt, dass die vertraglich vereinbarten Kilometerbegrenzungen kein Problem für die ambulante Pflege in Städten darstellen, weil es sich in den meisten Fällen um kurze Wege handelt.
E-Auto: Weniger Verschleißteile
Weil Elektrofahrzeuge bereits seit einigen Jahren angeboten werden, gibt es mittlerweile auch einen Gebrauchtwagenmarkt. Meistens sind dies Fahrzeuge der ersten Generation und sogenannte Leasingrückläufer. Anders als bei herkömmlich betriebenen Fahrzeugen mit einem Wertverlust von rund 50 Prozent nach vier Jahren haben E-Autos einen vergleichsweise höheren Wiederverkaufswert. Grund: Es gibt weniger Verschleißteile wie z.B. Auspuff, Zahnriemen, Vergaser und andere Motorteile.