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Vermeiden Sie Bindungen an Zeugnisentwürfe

27.02.2017

Über den Inhalt von Arbeitszeugnissen wird häufig erbittert gestritten. Sie sind auch immer wieder „Nebenkriegsschauplatz“ bei Kündigungsschutzklagen. Diese enden meist in einem Vergleich, in dem auch das Arbeitszeugnis gleich mit geregelt wird.

Häufig verpflichten Sie sich, das Zeugnis entsprechend dem Entwurf des gekündigten Mitarbeiters auszustellen. Das wird schwierig, wenn dieser dann falsche Angaben enthält. Dann ist – wie der folgende Fall zeigt – der Ärger schon vorprogrammiert.

 

Der Fall: Mitarbeiter durfte sein eigenes Zeugnis schreiben

In einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht verpflichtete sich ein Arbeitgeber, seinem gekündigten Mitarbeiter ein Zeugnis nach dessen Entwurf auszustelen. Änderungen durfte der Chef nur aus wichtigem Grund vornehmen. Hierzu sah er sich allerdings gezwungen, da der Mitarbeiter sich Leistungen bescheinigte, die er nachweislich nicht erbracht hatte. Diese Änderungen waren dem Mitarbeiter nicht recht und er zog erneut vor das Arbeitsgericht, um seinen Entwurf durchzusetzen.

 

Das Urteil: Falsche Angaben dürfen gestrichen werden

Das Landesarbeitsgericht Hamm erteilte dem Mitarbeiter eine Absage (Urteil vom 18.02.2016, Az.: 18 Sa 1577/15) . Der Arbeitgeber konnte nachweisen, dass die Angaben im Zeugnisentwurf so nicht richtig waren. Insofern sahen die Richter die Änderung des Zeugnisses als gerechtfertigt an.

Die Richter wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dem Grundsatz der Zeugniswahrheit ein hoher Stellenwert einzuräumen sei. Schließlich müsse ein neuer Arbeitgeber ja auch den Angaben vertrauen können. Außerdem mache der Arbeitgeber sich unter Umständen sogar schadenersatzpflichtig, wenn er Leistungen im Zeugnis bestätige, die so tatsächlich vom Mitarbeiter nicht erbracht wurden.

 

Rat: Vermeiden Sie eine Bindung an den Zeugnisentwurf ehemaliger Pflegekräfte

Solche Auseinandersetzungen können Sie vermeiden, indem Sie sich auf solche Deals gar nicht erst einlassen. Denn wenn Sie sich in einem gerichtlichen Vergleich dazu verpflichten, das Zeugnis nach dem Entwurf Ihres Mitarbeiters zu schreiben, kommen Sie von dieser Verpflichtung nur in Ausnahmefällen herunter. Sinnvoller ist es, sich vor Gericht auf die Eckpunkte des Zeugnisses zu einigen und dieses dann selbst zu formulieren.

Dann haben Sie es tatsächlich in der Hand, das Zeugnis nach Ihren Vorstellungen zu formulieren, und müssen lediglich die im Vergleich genannten Punkte berücksichtigen. Ansonsten sind Sie in der Formulierung frei.

 

Nutzen Sie gerne das unten stehende Muster für eine solche Formulierung.

Muster: Formulierung „Vergleich über Arbeitszeugnis“

Der Pflegedienst verpflichtet sich, dem Mitarbeiter ein wohlwollendes Arbeitszeugnis mit guter Bewertung (= Schulnote 2) auszustellen, das sich auch auf Leistung und Verhalten erstreckt sowie eine Schlussformel mit Dank für die Zusammenarbeit und gute Wünsche für die private und berufliche Zukunft des Mitarbeiters enthält.

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