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"Natürlich helfen wir bei einem Notfall, doch wer bezahlt mir das?"

15.08.2018

Fragen auch Sie sich, was Sie abrechnen können, wenn einer Ihrer Pflegekunden einen Notfall hat, verunfallt ist oder Bedarfsmedikamente benötigt? Dann sollten Sie folgende Übersicht beachten. Denn hier hat unser Experte Christian Schuler, Fachanwalt für Medizinrecht in Hamburg, Ihnen 3 typische Beispiele für Notfallsituationen in der ambulanten Pflege dargestellt und was Sie in diesen Fällen bei der Abrechnung beachten müssen.

Beispiel: Ingrid Hase, PDL und Inhaberin des Pflegedienstes „Konkret“, hat ihre Mitarbeiter in Sachen Erste Hilfe fit gemacht. Doch nun fragt sie sich, wer für die Kosten aufkommt, wenn bei einem Pflegekunden ein Notfall entsteht. Denn vereinbarte Leistungen kann sie dann ja nicht abrechnen.

Beispielfall 1

Die Pflegekraft findet einen Kunden bewusstlos auf dem Boden vor. Die Pflegekraft leitet natürlich alle Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. Bis der Pflegekunde von den Rettungssanitätern ins Krankenhaus gebracht wird, können leicht 60 Minuten vergehen, und dann kommt auch noch die Nacharbeitung hinzu. In solch einem Fall kann der Pflegedienst nicht die vereinbarten Leistungen abrechnen, die er eigentlich während des Pflegeeinsatzes hätte erbringen müssen. Die PDL fragt sich, was sie in solch einer Notsituation mit wem abrechnen kann. Denn solche Notfallmaßnahmen sind ja auch nicht in den Leistungskomplexen usw. hinterlegt.

Das sollten Sie zur Abrechnung wissen

Ist für eine Leistung keine Vergütung in den Verträgen mit den Kranken- und Pflegekassen vorgesehen, kann die Leistung nicht mit den Kostenträgern abgerechnet werden. Dies ist derzeit leider auch der Fall, wenn aus einem geplanten Pflegeeinsatz ein Notfalleinsatz wird. Auch werden Sie kaum die Möglichkeit haben, Ihrem Kunden den Einsatz privat in Rechnung zu stellen. Dazu müssten Sie schon eine gesonderte Vereinbarung mit Ihrem Kunden treffen, wonach Sie in Notfällen berechtigt sind, Ihre Leistungen abzurechnen.

Eine solche Vereinbarung werden Sie aber im Regelfall nicht unterschrieben bekommen. Denn Erste Hilfe gehört zu den Garantenmaßnahmen einer PK. Sonst könnte man daraus ableiten, dass (unzulässigerweise) keine Erste Hilfe gewährt wird, wenn diese Klausel nicht unterschrieben wurde. Daher muss diese Tätigkeit aus dem Gewinn der abrechenbaren Pflegeleistungen finanziert werden.

Beispielfall 2

Eine Pflegekraft wird während der Rufbereitschaft zu einem Pflegekunden gerufen, weil dieser stark eingekotet hat oder gestürzt ist. Die PDL fragt sich, ob sie diese Leistungen über Leistungskomplexe abrechnen kann, auch wenn diese nicht im Pflegevertrag festgelegt sind. Und was ist, wenn dann die Sachleistungen durch diesen Notfall steigen und der Pflegekunde plötzlich einen Eigenanteil leisten muss und diesen dann nicht zahlen möchte oder kann?

Das sollten Sie wissen

Diese Leistungen können Sie mit dem passenden Leistungskomplex abrechnen. Die im Pflegevertrag vereinbarten Leistungen betreffen die regelmäßige, vorhersehbare Pflege. Sondereinsätze, die Ihr Pflegekunde bei Ihnen abruft, sind Leistungen, die Sie zusätzlich erbringen und auch vergütet bekommen. Dabei ist es auch egal, ob es dadurch dann zu einem Eigenanteil kommt, den der Patient zu zahlen hat. Achten Sie allerdings darauf, ob der Patient einen Eigenanteil überhaupt zahlen kann. Wenn nicht, sollten Sie den Patienten auffordern, einen Antrag beim Sozialamt zu stellen, damit diese Leistungen darüber finanziert werden.

Beispielfall 3

Der Arzt hat ein Bedarfsmedikament verordnet, das die Pflegekräfte dem Pflegekunden bei Bedarf verabreichen sollen. Zudem sollen die Pflegekräfte laut HKP 2-mal täglich die regulären Medikamente verabreichen. Der Pflegekunde ruft in der Nacht an – das bedeutet, dass der Pflegedienst an diesem Tag 3-mal zur Medikamentengabe kommen muss. Die PDL fragt sich, mit wem sie den 3. Einsatz für die Bedarfsmedikamentengabe abrechnen kann.

Das sollten Sie zur Abrechnung wissen

Diese Bedarfsmedikation dürfen Sie durchführen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt, der Bedarf laut den Vorgaben des Arztes eingetreten ist und Sie die Leistungen erbringen sollen. Hier sollten Sie darauf achten, dass das auch aus der Verordnung zur häuslichen Krankenpflege hervorgeht, nämlich, dass Sie normalerweise nur 2-mal täglich Medikamente verabreichen sollen und bei Bedarf auch öfter. Die Kostenübernahme sollten Sie im Vorfeld mit der Kasse klären.

Hinweis: Verlangt ein Pflegekunde von Ihnen, ihm Bedarfsmedikamente zu verabreichen, dürfen Sie dies nur tun, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt. Lehnen Sie daher ohne Verordnung die Durchführung immer ab. In Notfällen ist der notärztliche Dienst zu informieren, der entscheidet, welche Leistung durchzuführen ist. Da Sie die Leistung gar nicht durchführen dürfen, können Sie sie selbstverständlich auch nicht abrechnen.

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