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PSG II stärkt den ambulanten und teilstationären Sektor

09.05.2018

Kennen Sie sich eigentlich mit der Refinanzierung der ambulanten und teilstationären Pflege gut aus? Im Vergleich zur vollstationären Pflege liegen Welten zwischen den beiden Finanzierungssystemen. Im Rahmen dieses Beitrages möchte ich Ihnen die finanziellen Möglichkeiten für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in der ambulanten und teilstationären Pflege kurz vorstellen. Denn die deutlich verbesserte finanzielle Ausstattung dieser beiden Bereiche, die sich durch das Pflegestärkungsgesetz II (kurz PSG II) ergeben hat, wird sich voraussichtlich negativ auf das Nachfrageverhalten im vollstationären Sektor auswirken.

Strategie „ambulant vor stationär“ verstärkt

Der Gesetzgeber hat sich im Hinblick auf die demografische Entwicklung und den dadurch mittelfristig stark ansteigenden Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen für Menschen mit erhöhtem und stark erhöhtem Pflegebedarf klar auf die Strategie „ambulant vor stationär“ festgelegt. Dies spiegelt sich vor allem auch in den Finanzierungssystemen dieser Bereiche wider.

Umfangreiche Wahlmöglichkeiten

Im Bereich der ambulanten Pflege haben Pflegebedürftige und deren pflegende Angehörige zunächst ein Wahlrecht zwischen ambulanten Geld- und Sachleistungen. Die Geldleistungen werden an die private Pflegeperson ausgezahlt und reichen von PG 2 mit 316 €/mtl. bis zu PG 5 mit 901 €/mtl. Alternativ zu den Geldleistungen können auch ambulante Sachleistungen in Anspruch genommen werden. Dieses Budget reicht von PG 2 mit 689 €/ mtl. bis PG 5 mit 1.995 €/mtl. Beide Töpfe können zudem miteinander kombiniert werden (Kombinationsleistungen). Zusätzlich zu den ambulanten Geld- und Sachleistungen steht außerdem ein Budget von 125 €/mtl. für Entlastungsleistungen zur Verfügung.

Zusätzliches Budget für teilstationäre Leistungen

Neben den beiden miteinander kombinierbaren ambulanten Töpfen erhalten die Leistungsberechtigten ab dem 01.01.2017 ein zusätzliches Budget für teilstationäre Leistungen – also Tagesund Nachtpflege – in der gleichen Höhe wie das ambulante Budget. Ebenfalls in PG 2 die 689 €/mtl. bis PG 5 mit 1.995 €/mtl. Für Leistungen der Tagespflege kann darüber hinaus auch noch der Entlastungsbetrag von 125 €/mtl. verwendet werden, sofern dieser nicht ambulant verbraucht worden ist.

Praxisbeispiel für Pflegegrad 3 ambulant/teilstationär

Das folgende Beispiel soll die veränderten Rahmenbedingungen verdeutlichen. Frau Müller ist 83 Jahre alt und wurde in den Pflegegrad 3 gesetzlich übergeleitet. Bisher hatte Frau Müller die Pflegestufe 1, eine eingeschränkte Alltagskompetenz wurde bescheinigt. Frau Müller wird in ihrem häuslichen Umfeld von einem ambulanten Pflegedienst versorgt, zudem haben die Kinder von Frau Müller sie in einer Tagespflegeeinrichtung angemeldet. Pflegehilfsmittel wie Pflegebett, Rollstuhl etc. wurden seitens der Pflegekasse gestellt. Damit stehen Frau Müller in Pflegegrad 3 folgende Mittel zur Verfügung:

  1. Ambulante Sachleistung PG 3: 1.298 €/mtl.
  2. Teilstationäre Sachleistung PG 3: 1.298 €/mtl.
  3. Entlastungsbetrag: 125 €/mtl.

Schöpft Frau Müller ihre Möglichkeiten voll aus, stünden ihr Leistungen der Pflegekasse von insgesamt 2.721 €/ mtl. zur Verfügung. Hiermit lässt sich ein gutes Versorgungs- und Betreuungspaket schnüren.

Praxisbeispiel für Pflegegrad 3 vollstationär

Zum Vergleich würde Frau Müller in einer vollstationären Pflegeeinrichtung folgende Kosten tragen müssen:

  • Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil: 600 €/mtl. (fiktiver Beispielwert) (Der Anteil der Pflegeversicherung beträgt 1.262 €/mtl.)
  • Unterkunft & Verpflegung (32 €/ Tag): 973 €/mtl.
  • Investitionskosten (17 €/Tag): 517 €/ mtl.
  • Sonstige Kostenpositionen (z. B. Ausbildungsumlage; werden im Weiteren nicht berücksichtigt)

Frau Müller müsste in einer vollstationären Pflegeeinrichtung monatlich 2.090 € dazuzahlen. Reicht die Rente von Frau Müller nicht aus, müssen für die übrigen Kosten ggf. ihr Vermögen aufgebraucht oder die Kinder im Rahmen der gesetzlichen Regelungen herangezogen werden.

Nachfrageverschiebung ist zu erwarten

Das Praxisbeispiel von Frau Müller verdeutlicht, dass der ambulante und teilstationäre Sektor deutlich an Attraktivität in Bezug auf die finanziellen Möglichkeiten gewonnen hat. Dem gegenüber stehen die hohen Heimkosten in der vollstationären Pflegeeinrichtung. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass eine Nachfrageverschiebung zugunsten des ambulanten Sektors in den unteren Pflegegraden eintreten wird. Für uns aus dem vollstationären Sektor bedeutet dies eine Veränderung der Bewohnerstruktur. Tendenziell werden zukünftig insbesondere pflegebedürftige Menschen mit höheren Pflegegraden unsere Pflegeeinrichtungen in Anspruch nehmen.

Im folgenden Infoblatt haben wir Ihnen Argumente zusammengestellt, die für stationäre Pflege sprechen:

Temporärer Auslastungseinbruch

Trotz des PSG II werden in Deutschland weiterhin neue vollstationäre Pflegeeinrichtungen gebaut. Somit werden die am Markt vorhandenen Kapazitäten erweitert. Tritt nun der oben skizzierte Nachfrageeffekt auf, könnte es zu zeitweisen Auslastungseinbrüchen in manchen Regionen kommen. Mittelfristig wird sich durch die steigende Zahl der Pflegebedürftigen durch den demografischen Wandel dieser Effekt von allein wieder aufheben.

Meine Handlungsempfehlung

Ich empfehle Ihnen, Ihre Mitarbeiter auch im ambulanten und teilstationären Bereich zu schulen. Sie sollten die Unterschiede zwischen den verschiedenen Leistungsangeboten kennen, um souverän auf Fragen von Angehörigen und Interessenten reagieren zu können. Beobachten Sie genau die Entwicklung der Pflegegradstruktur. Es ist auch ratsam, sich regelmäßig aus dem Bereich Neuaufnahme/Einzugsmanagement Feedback von Ihren Mitarbeitern einzuholen.

Bieten Sie Lösungen für die Ängste und Sorgen der Angehörigen und begründen Sie, warum die stationäre Pflege doch sinnvoll sein kann. Ich bin der Überzeugung, dass vollstationäre Pflegeeinrichtungen weiterhin die wichtigste Säule der professionellen Pflege darstellen werden. Mittelfristig wird sich die Bewohnerstruktur auf hohe Pflegegrade konzentrieren, daher sollten wir uns auch auf diese Entwicklung vorbereiten.

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