Gastrostoma: Versorgung, Hygiene und Vorteile für Patienten

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Essen und Trinken bedeutet für uns Menschen mehr als reine Nahrungsaufnahme. Wir genießen Nahrung mit allen Sinnen und sprechen häufig von einem wunderbaren Geschmackserlebnis, wenn wir Nahrung probieren, die wir bisher nicht gegessen oder getrunken haben. 

Für Patienten mit einem Gastrostoma gehen alle Sinneseindrücke, die das Essen und Trinken einzigartig machen, verloren. Sie nehmen Nahrung nicht mehr über den Mund auf, sondern werden über ein Gastrostoma künstlich ernährt. Als Gastrostoma bezeichnet man eine chirurgisch geschaffene Verbindung zwischen dem Magen und der Bauchdecke. Durch diese Verbindung kann eine Ernährungssonde, die fachlich als PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie) bekannt ist, eingesetzt werden. Der Eingriff zur Anlage eines Gastrostoma wird Gastrostomie genannt.

Dieser Artikel geht darauf ein, welche Krankheitsbilder ein Gastrostoma notwendig machen und was bei der Stomaversorgung eines Gastrostoma beachtet werden muss. Ebenso thematisiert der Artikel, wann ein Gastrostoma reversibel ist und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede das Gastrostoma mit dem Enterostoma, dem Urostoma und dem Tracheostoma hat. 

Bei diesen Erkrankungen wird ein Gastrostoma notwendig

Es gibt unterschiedliche Krankheiten, die eine künstliche Ernährung über ein Gastrostoma erforderlich machen. Die künstliche Ernährung kann bei schwerkranken Patienten oder Unfallopfern eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Heilungschancen und der individuellen Lebensqualität bieten. Besonders für Menschen, die eine Krebstherapie durchlaufen haben, bei chronischen Erkrankungen wie Leberzirrhose, Pankreatitis oder Niereninsuffizienz oder bei schwerer Demenz und anderen Erkrankungen des Alters kann ein Gastrostoma und künstliche Ernährung indiziert sein. 

Bei vielen der genannten Krankheiten funktioniert der Verdauungstrakt ohne Einschränkungen, während das Essen und Trinken über den Mund nicht mehr oder eingeschränkt möglich ist. In solchen Fällen ist die künstliche Ernährung über eine Sonde alternativlos, damit der Patient nicht stirbt. 

Längerfristige oder dauerhafte Sonden für die künstliche Ernährung werden als Gastrostoma, PEG oder als Ernährungsfistel bezeichnet. Zur künstlichen Ernährung wird ein flexibles Trinkröhrchen durch die Bauchdecke in den Magen eingeführt, über das dann eine spezielle Sondennahrung verabreicht wird. Die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) ist in der Regel die bevorzugte Methode zur langfristigen enteralen Ernährung. Sie ermöglicht den Zugang zum Magen durch einen Kanal, der als Stoma bezeichnet wird.

JET-PEG

Wenn eine Sonde über eine gastrale PEG in den Dünndarm gelegt wird, bezeichnet man dies als gastral/intestinale PEG (JET-PEG).

Worauf müssen Pflegekräfte bei der Pflege des Gastrostoma achten?

In der Wundheilungsphase nach Herstellung der PEG und des Gastrostoma sollte die Einstichstelle täglich mit einem sauberen, sterilen Verband versorgt werden. Dies gilt ebenso, wenn die Umgebung des Stoma durch Sekret oder Körperpflege nass und feucht wird. 

Nach 7 bis 10 Tagen und einer ausreichenden Heilung reicht es in der Regel aus, den Verband alle zwei bis drei Tage zu wechseln. Wenn die Einstichstelle nach 2 bis 4 Wochen abgeheilt ist und sich Granulationen (Wundheilung mit körnigem Gewebe) zeigen, ist ein Verband nicht mehr notwendig. Ab diesem Zeitpunkt kann die äußere Haut mit Wasser und milder Seife gepflegt werden. Eine zu intensive Wundpflege und eine tägliche Desinfektion der Einstichstelle ist nicht empfehlenswert. Bei entzündetem Stoma sollte zunächst ein steriler, trockener Verband angelegt und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Was ist bei der Reinigung und Versorgung der Einstichstelle und Mobilisierung der Sonde zu beachten? 

Die regelmäßige und sorgfältige Reinigung des Stoma und der Sonde sind von in der Hygiene von entscheidender Bedeutung. Nach einer hygienischen Händedesinfektion wird die Sonde in einem ersten Schritt aus der Halteplatte gelöst. Hierbei wird die Halteplatte zurückgezogen, um den Sondenschlauch und das Stoma reinigen zu können. 

Etwaige Pflasterreste können mit einem Hautdesinfektionsmittel und einer sterilen Kompresse entfernt werden. Bei Bedarf können die Sondenansätze ebenfalls mit lauwarmem Wasser und einer Einmalzahnbürste gesäubert werden. Die Halteplatte, der Sondenschlauch und die Umgebung des Stomas werden manuell mit einem Hautdesinfektionsmittel eingesprüht und gewaschen. Entscheidend ist eine genaue Inspektion des Stoma auf Auffälligkeiten wie Sekretfluss oder Rötungen. Bei einer geröteten Einstichstelle oder sichtbarem eitrigem Sekret darf ausnahmsweise von außen nach innen gereinigt werden. Im letzten Schritt werden Stoma, Sonde und Halteplatte erneut mit Hautdesinfektionsspray eingesprüht und vollständig abgetrocknet. 

Damit die Magensonde nicht in die Haut oder in die Mageninnenwand einwächst, muss sie regelmäßig mobilisiert werden. Dies geschieht, indem man die Sonde bei jedem Verbandswechsel 2 bis 3 Zentimeter in den Magen schiebt, dreht und erneut leicht anzieht. Es ist essenziell, dass vor der Fixierung der Sonde zwei sterile Kompressen zur Hälfte gefaltet werden. Anschließend sollte die Halteplatte mit einem Spielraum von -5 mm über Hautniveau zurückgeschoben und in die Halteplatte fixiert werden, um ein tiefes und spannungsfreies Atmen zu gewährleisten. Die Halteplatte wird mit einer sterilen Kompresse abgedeckt und mit Stretchpflaster fixiert. Der Sondenschlauch wird im letzten Schritt seitlich geführt und bei Bedarf separat fixiert. 

Diese Komplikationen können bei einem Gastrostoma auftreten

Bei der perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG) können diverse Komplikationen auftreten. Eine Verletzung der inneren Organe ist eine ernsthafte Gefahr, die während des Eingriffs entstehen kann. Die Verschiebung der Sonde, die im Fachjargon Dislokation genannt wird, kann beim Patienten zu Unbehagen und potenziellen Gesundheitsproblemen führen. Eine abnormale Verbindung zwischen Magen und Dickdarm, die als gastrokolische Fistel bezeichnet wird, kann ebenfalls als Komplikation auftreten. 

Ein weiteres ernsthaftes Problem ist die Peritonitis, eine Entzündung des Peritoneums, die auftritt, wenn der Mageninhalt in die Bauchhöhle gelangt. Druckulzera, ebenfalls bekannt als Druckgeschwüre, können sich auf der Haut um die Einführstelle der Sonde bilden. Darüber hinaus kann es zu metabolischen Entgleisungen kommen, beispielsweise bei Patienten mit zystischer Fibrose und latentem Diabetes. 

Jegliche auftretende Komplikationen erfordern eine sofortige ärztliche Behandlung. Aus diesem Grund ist die regelmäßige Überprüfung der Sonde und die Einhaltung aller Pflegerichtlinien von entscheidender Bedeutung.

Wann und in welcher Form erhalten Patienten Nahrung über das Gastrostoma? 

Patienten erhalten über die PEG und das Gastrostoma spezielle Sondenkost. Nach dem operativen Eingriff kann erstmals nach 4 Stunden Tee über die Sonde eingeführt werden. Die erste Sondenkost erhalten Patienten nach 8 bis 12 Stunden. 

Sondenkost ist viel mehr als reine Energie. Sie enthält alle notwendigen Nährstoffe, die für eine ausgewogene Ernährung des Patienten notwendig sind. Inkludiert sind Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Ballaststoffe (außer bei ballaststofffreien Sondennahrungen), Vitamine und Mineralstoffe. Die Sondennahrung sollte bei Gabe auf Zimmertemperatur angewärmt werden. Nach der Nahrungsgabe wird die Sonde mit 20 ml Tee gespült. Medikamente können ebenfalls über die Sonde zugeführt werden. 

Welche Vorteile bietet ein Gastrostoma? 

Ein Gastrostoma bietet viele Vorteile. Es ermöglicht Ärzten und medizinischem Fachpersonal, Medikamente und Flüssigkeiten gesichert zu verabreichen und Nahrung zuzuführen. Gleichzeitig ist das Gastrostoma reversibel und kann bei Verbesserung des Gesundheitszustands des Patienten schnell entfernt werden. Ärzten ermöglicht es eine professionelle Ernährungskontrolle. Insgesamt kann ein Gastrostoma ein wichtiger Baustein bei der Behandlung schwerkranker Menschen sein. 

Zusammen mit dem Enterostoma als künstlichem Darmausgang, dem Urostoma als künstlichem Blasenausgang und dem Tracheostoma zur externen Beatmung haben alle Stomaarten einen entscheidenden medizinischen Effekt für das Überleben erkrankter Patienten.