Verlag & Akademie

Wirken Sie dem Reizentzug bei Ihren Pflegekunden entgegen

07.02.2020

Bestimmt haben Sie auch schon von den verschiedenen Experimenten zum Thema „Reizentzug“ gehört. So schottete der kanadische Psychologe Donald Hebb in den 1950er-Jahren Versuchspersonen von jeglichen Reizen ab. Sie lagen auf einem Bett in einem schalldichten Raum und trugen isolierende Rollen über ihren Händen und Armen. Ebenso wurden sie von jeglichen akustischen und optischen Reizen abgeschottet. Als Folge entstanden Halluzinationen und eine veränderte Körperwahrnehmung. Diesem Experiment folgten viele andere mit ähnlichem Ausgang.

Ziehen Sie Parallelen

Auch Bettlägerigkeit ist eine Form von Reizentzug. Man hat herausgefunden, dass Ihre Pflegekunden durch ständiges Liegen die eigenen Körpergrenzen nicht mehr wahrnehmen. Ebenso verlieren sie das Gefühl, in welcher Position sie sich im Raum befinden. Neben der veränderten Körperwahrnehmung hat dies auch psychische Auswirkungen. Es kommt etwa zu Halluzinationen oder zum kompletten Rückzug in sich selbst. Beugen Sie vor, indem Sie die Körperwahrnehmung Ihres Pflegekunden gezielt fördern.

Maßnahmen für eine bessere Körperwahrnehmung

  1. Hautwahrnehmung: Wahrnehmung des eigenen Körperumrisses. Durch die somatische Anregung versuchen Sie, Ihrem Bewohner Informationen über den eigenen Körper zu vermitteln.
  2. Gleichgewichtssinn: Durch gezielte Anregungen und Bewegungen erhalten Sie das Gefühl für oben und unten.
  3. Tastsinn: Nutzen Sie die Handflächen, um eine gezielte Wahrnehmung zu erzeugen.

Fördern Sie alle Wahrnehmungskanäle

Zu einer ganzheitlichen Eigenwahrnehmung zählen auch das Riechen, Schmecken, Hören und Sehen. Fördern Sie daher auch die folgenden Sinne:

  • Riechen: Regen Sie den Geruchssinn im Alltag durch Raumdüfte oder duftende Körperlotionen an. Achten Sie jedoch darauf, dass die Düfte nicht zu intensiv sind. Dies könnte störend wirken.
  • Hören: Sorgen Sie für angemessene und angenehme akustische Reize, wie etwa die Lieblingsmusik Ihres Pflegekunden oder Hörbücher. Damit können Sie erstaunliche Ergebnisse erzielen.
  • Sehen: Bieten Sie Ihrem Bewohner optische Anreize. Hängen Sie etwa Bilder so, dass er sie auch sehen kann. Wechseln Sie Dekorationen regelmäßig, sonst verlieren sie ihren Reiz.
  • Schmecken: Regen Sie den Geschmackssinn durch verschiedene Aromen an. "Kneten" Sie verschiedene Nahrungskomponenten niemals durcheinander.

1. Hautwahrnehmung:

  • Belebende Waschung: Waschen Sie gegen die Haarwuchsrichtung mit 23 bis 28 °C warmem Wasser. Trocknen Sie auch gegen die Haarwuchsrichtung ab. Der Bewohner befindet sich dabei in einer halb sitzenden Position.
  • Beruhigende Waschung: Waschen Sie mit der Haarwuchsrichtung mit 37 bis 40 °C warmem Wasser. Der Bewohner liegt.
  • Spüren: Führen Sie die Hand Ihres Pflegekunden beim Waschen oder legen Sie seine Hände in Rückenlage 1 bis 2 Minuten unter das Gesäß.
  • Tägliches Eincremen: Führen Sie die Bewegungen gezielt aus und gehen Sie bewusst den Körperkonturen nach (möglichst ohne Handschuhe).
  • Körperschema: Positionieren Sie längsgerollte Decken entlang der Körperumrisse.
  • Kleidungswechsel: Legen Sie Tageskleidung und Nachtkleidung an, auch wenn Ihr Pflegekunde nur liegt. Für den Tag eignet sich etwas festerer und für die Nacht weicherer Stoff.

2. Gleichgewichtssinn:

  • Mobilisation: Belassen Sie Ihren Pflegekunden nur in Ausnahmefällen im Bett. Mobilisieren Sie ihn in geeignete Lagerungsrollstühle.
  • Sitzen im Bett: Positionieren Sie Ihren Pflegekunden regelmäßig in Oberkörperhochlage.
  • Wiegen und Schaukeln: Führen Sie behutsam schaukelnde und wiegende Bewegungen durch:
    • Wiegen Sie Ihren Bewohner im Sitzen sanft von einer Seite zur anderen.
    • Schaukeln Sie seine geschlossenen, aufgestellten Beine sanft nach rechts und links.
    • Legen Sie seinen Arm oder sein Bein auf ein Handtuch, nehmen Sie die beiden kurzen Seiten auf und schaukeln leicht mit dem Handtuch hin und her.
  • Bodenkontakt: Achten Sie darauf, dass Ihr Bewohner beim Transfer mit den Füßen den Boden berührt, etwa unter Zuhilfenahme eines Stehlifters.

3. Tastsinn:

  • Handflächen: Geben Sie immobilen Pflegekunden abwechselnd verschiedene Gegenstände in die Hand. Wechseln Sie hierbei sowohl die Temperatur der Gegenstände als auch die Oberflächenstruktur.
  • Kontaktübungen: Führen Sie passive Kontaktübungen durch, indem Sie etwa beim Aufstellen des Beines im Liegen mit der Fußsohle des Bewohners über das Laken fahren.

Überzeugen Sie die Angehörigen

Vielen Angehörigen ist gar nicht bewusst, welche Auswirkungen Reizarmut auf bettlägerige Personen haben kann. Möglicherweise haben Sie auch schon häufig Äußerungen gehört wie: „Das bekommt er/sie doch gar nicht mehr mit.“ Besonders im ambulanten Bereich gilt es hier Überzeugungsarbeit zu leisten. Um für Ihren Pflegekunden Verbesserungen zu erwirken, ist es wichtig, dass Sie taktisch vorgehen. Schlagen Sie zunächst eine kleine Veränderung vor und weisen Sie auf die positiven Auswirkungen hin.

Beispiel: Die Pflegekraft legt Herrn Baier einen Tennisball in die Hand. Sie weist die Ehefrau darauf hin, dass er erstaunt die Augen öffnet, und versucht, seine Hand zu bewegen. Nachdem die Ehefrau Herrn Baier den Tennisball mehrmals täglich in die Hand legt, schlägt die Mitarbeiterin als Nächstes vor, einige Bilder umzuhängen.

Fazit: Fördern Sie Lebensqualität

Stellen Sie sich die Auswirkungen von Reizmangel so vor, als würde man den Bezug zu sich selbst vollkommen verlieren. Ersparen Sie Ihren Pflegekunden dieses Schicksal, indem Sie die Körperwahrnehmung gezielt fördern.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke