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So reagieren Ihre Mitarbeiter sicher bei einem Verdacht auf Vergiftung

20.07.2018

Viele Bewohner in der stationären Pflege sind demenziell verändert. Da kann es schnell passieren, dass ein Bewohner in seiner Verwirrtheit bspw. zu Reinigungsmitteln auf dem Putzwagen greift und einen Schluck davon nimmt. Was ist dann zu tun?

Als ich vor über 20 Jahren meinen Zivildienst in der sozialen Betreuung in einem Pflegeheim abgeleistet habe, war ich u. a. dafür zuständig, mit den Bewohnern Freizeitaktivitäten zu gestalten. Eines Nachmittags organisierte ich eine Bastelrunde. Mit den Bewohnern wollte ich für den anstehenden Fasching lustige Kopfbedeckungen bemalen. Karton und Wasserfarben waren bereitgelegt, und es ging los.

Einer der beteiligten Bewohner war ein älterer Herr, der allerdings schon sehr verwirrt war. Plötzlich griff er zum Wasserglas, das die Bewohner für die Reinigung ihrer Pinsel nutzten, und trank dieses in einem Zug leer. Als junger Mann und natürlich wenig erfahrener Zivi war ich geschockt und lief zur damaligen Wohnbereichsleitung, um ihr zu berichten, was passiert war. Ich machte mir Sorgen, dass der Bewohner möglicherweise eine Vergiftung erlitten habe. Zum Glück waren es natürliche Wasserfarben, sodass der Herr – außer einer blau verfärbten Zunge – keine gesundheitlichen Folgen davongetragen hat. Und ich war natürlich total erleichtert.

Vergiftungsgefahr ist allgegenwärtig

Sicherlich kommt so etwas häufiger vor, als man denkt. Hier müssen Sie selbstverständlich darauf achten, dass aggressive und somit gesundheitsschädigende Putz- oder auch Desinfektionsmittel nicht griffbereit herumstehen, wenn desorientierte Bewohner anwesend sind. Wichtig ist jedoch, dass Ihre Mitarbeiter wissen, was zu tun ist, wenn ein Bewohner sich vergiftet.

Wann spricht man von einer Vergiftung?

Unter einer Vergiftung versteht man die Aufnahme einer toxischen und zellschädigenden Substanz in den Organismus. Eine Vergiftung kann über den Magen- Darm-Trakt (durch Verschlucken), über die Atemwege (durch Einatmen) oder die Haut (durch Berührung) erfolgen. Auch harmlose Substanzen können giftig sein: Letztendlich entscheidet die Dosis, die jemand zu sich nimmt, darüber, ob eine toxische Wirkung entsteht.

So erkennen Sie eine Vergiftung

Gerade bei einem dementen Bewohner ist es häufig nicht direkt ersichtlich, ob eine Vergiftung vorliegt. Schließlich wird er Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sagen können, dass er gerade eine gesundheitsschädigende Flüssigkeit zu sich genommen hat, die womöglich giftig war. Also müssen Sie auf andere Symptome achten. Diese können sein: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel bis hin zu Bewusstseinsstörungen. Vergiftungen gehen oftmals auch mit Atemstörungen, Pupillenveränderungen, Verwirrtheit oder gar Halluzinationen einher. Verständigen Sie in diesem Fall umgehend den behandelnden Arzt. Bei eindeutigen Anzeichen einer Vergiftung können auch die Giftnotrufzentralen eingeschaltet werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vorgehensweise bei Verdacht auf Vergiftung

  1. Schritt: Ruhe bewahren: In Panik zu verfallen hilft weder Ihnen noch dem Bewohner.
  2. Damit Sie die in Schritt 3 und 4 genannten Akteure informieren können, erfassen Sie für sich, welche Symptome beim Bewohner vorliegen, die den Verdacht auf eine Vergiftung zulassen. Ist der Bewohner orientiert und ansprechbar, fragen Sie ihn, ob er eine fremde Substanz zu sich genommen hat.
  3. Rufen Sie die zuständige Giftnotrufzentrale an. Schildern Sie, was passiert ist bzw. welche Informationen Ihnen vorliegen. Die Giftnotrufzentrale hilft Ihnen bei der Einleitung der notwendigen Maßnahmen und schickt ggf. unmittelbar einen spezialisierten Notarzt zu Ihnen.
  4. Informieren Sie zusätzlich sowohl den zuständigen Hausarzt als auch die Angehörigen bzw. Bevollmächtigten des Bewohners über den Vorfall.
  5. Reflektieren Sie im Team: Was können Sie verändern, damit sich ein solcher Zwischenfall nicht wiederholt (z. B. giftige Pflanzen entfernen, Desinfektionsmittel vor Zugriff besser schützen, Reinigungsmittel einschließen etc.).

Im Folgenden haben wir Ihnen eine Übersicht mit Kontaktdaten der Giftnotrufzentralen in Ihrer Nähe zusammengestellt, die Sie ausdrucken und in Ihrer Einrichtung aushängen können.

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