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Mit diesen Bräuchen und Ritualen begehen Sie das Weihnachtsfest

06.12.2018

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Sie als Pflegekraft wissen, dass Menschen mit fortgeschrittener Demenz in ihrer eigenen Welt leben und oft nicht mehr adäquat oder verständlich kommunizieren können. Das Weihnachtsfest bietet eine gute Möglichkeit, die Mauer zu einem demenzkranken Menschen zu durchbrechen. Denn Weihnachten eignet sich besonders, um Demenzkranke auf der Gefühlsebene anzusprechen.

Vertraute Rituale, wie z. B. das Singen von Weihnachtsliedern, das Backen von Keksen oder der Gottesdienstbesuch, vermitteln dem Demenzkranken Sicherheit und Geborgenheit: Denn sie erinnern an die Vergangenheit, mit der sich der Demenzkranke aufgrund seiner Krankheit oft mehr verbunden fühlt als mit der Gegenwart. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, welche typischen Weihnachtsbräuche und -rituale Sie für die Aktivierung und Beschäftigung von Menschen mit Demenz in der ambulanten und stationären Betreuung nutzen können.

Menschen mit Demenz lieben Rituale

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit gibt es für Sie als Pflege- und Betreuungskraft viele Möglichkeiten, Menschen mit Demenz mit altbekannten Ritualen zu aktivieren, die gleichzeitig viele Sinne ansprechen. Menschen mit Demenz lieben Rituale, und gerade in der Vorweihnachtszeit ist es besonders schön für alle Beteiligten, wenn diese stimmungsvollen Gewohnheiten wiederholt werden und ein Strahlen auf die Gesichter der Betroffenen und Angehörigen zaubern.

Bräuche und Rituale können regional unterschiedlich sein

Die Adventszeit gibt es schon sehr lange. Bereits die Römer nutzten die Wochen vor Weihnachten zur Vorbereitung auf das Fest. Das ist bis heute in fast allen christlichen Familien so geblieben. Dabei haben sich viele verschiedene Rituale und Bräuche entwickelt, die regional unterschiedlich sein können. Nachfolgend finden Sie einige Bräuche und Rituale, die Ihnen Möglichkeiten der Aktivierung und Beschäftigung von Menschen mit Demenz aufzeigen.

Beachten Sie bei den Aktivitäten stets die Biografie des Kunden

Berücksichtigen Sie bitte stets, dass nicht jeder Demenzkranke Aktivitäten wie Basteln, Backen und Singen in gleicher Weise schätzt. So manchem reicht es schon aus, einfach den Duft von Tannen oder Plätzchen wahrzunehmen, um sich wohlzufühlen. Schauen Sie also immer aufmerksam auf die Biografie und beachten Sie die Ressourcen, Wünsche und Möglichkeiten der Menschen, die Sie pflegen oder betreuen.

Advent, Advent: Sorgen Sie bei Punsch und alten Geschichten für Gemütlichkeit

Adventskränze gibt es in Deutschland ca. seit dem Jahr 1850. In Norddeutschland sind sie in fast jedem Haushalt zu finden. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie auch in Süddeutschland populär. Der mit 4 Kerzen und Tannengrün geschmückte Kranz kann in der Adventszeit überall erworben oder ohne viel Aufwand gemeinsam mit den Erkrankten gestaltet werden.

Besonders der Duft von frischem Tannengrün und Bienenwachs- oder Duftkerzen wird von vielen Menschen mit Demenz als angenehm wahrgenommen. Zudem wird jeden Adventssonntag eine neue Kerze entzündet (elektrische Kerze) und bei Gebäck, Punsch oder heißem Tee können Sie eine Weihnachtsgeschichte vorlesen oder gemeinsam Geschichten von früher erzählen.

Weihnachtsbäckerei: Eine sehr gute Aktivierungsmöglichkeit

In vielen Familien war und ist es Tradition, dass in der Weihnachtszeit gebacken wird. Hintergrund waren die oft unzureichenden Lebensverhältnisse, besonders in den Nachkriegszeiten. Mit dem Backen von Plätzchen wurde die Besonderheit der Weihnachtszeit herausgestellt.

Durch das gemeinsame Backen von Plätzchen auf Ihrem Wohnbereich oder in der ambulanten Betreuung werden fast alle Sinne angesprochen und Erinnerungen geweckt. Sie können eine heimelige Wohlfühlatmosphäre durch den Geschmack und Geruch des Gebäcks entstehen lassen.

Besonders die Verwendung der klassischen Weihnachtsgewürze und -düfte wie Zimt, Orange und Ingwer oder von Marzipan und Nüssen lässt viele Erinnerungen wach werden und fördert das Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten. Eine bessere Aktivierungsmöglichkeit im Alltag werden Sie kaum finden. Ähnlich angenehm ist auch die Zubereitung von Bratäpfeln oder Weihnachtspunsch.

Stiefel putzen für den Nikolaus

Der Nikolaustag wird alljährlich am 06.12. gefeiert und bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre Bewohner oder ambulanten Patienten mit einer Kleinigkeit zu beschenken. So werden in den meisten Regionen Deutschlands geputzte Schuhe in das Fenster oder vor die Haustür gestellt, die dann von den Lieben gefüllt werden.

Wenn es möglich ist, putzen Sie doch zum Nikolaustag einmal mit dem demenzkranken Menschen seine Schuhe und freuen sich mit ihm am nächsten Tag über die Kleinigkeit, die er darin vorfindet.

Der Aufbau einer Krippe bietet viel Gesprächsstoff

In vielen Kirchengemeinden wird um die Weihnachtszeit oder am Heiligen Abend ein Krippenspiel aufgeführt, das die Weihnachtsgeschichte erzählt. Vielleicht gelingt es Ihnen, in Ihrer Pflegeeinrichtung solch ein Krippenspiel zu organisieren, das von Jugendlichen oder Kindern aufgeführt wird.

Aber auch der gemeinsame Aufbau einer Krippe im Wohnbereich oder in den eigenen 4 Wänden ist eine gute Möglichkeit. So können Sie ohne Aufwand eine entspannte Aktivität anbieten, die zudem über die gesamte Adventszeit Gesprächsmöglichkeiten eröffnet.

Ein Weihnachtsbaum weckt schöne und vertraute Erinnerungen

Der Weihnachtsbaum ist seit dem Jahr 1816 bekannt. Er symbolisiert das Weihnachtsfest und wird mit ganz unterschiedlichen Dingen geschmückt: mit selbst gefertigten Strohsternen oder Schokoladenkringeln, mit Weihnachtskugeln und vielerlei Glitzerschmuck. Auch hier können Sie gemeinsam mit dem demenzerkrankten Pflegekunden den Baum schmücken oder den Baumschmuck selbst fertigen.

Weihnachtslieder oder -gedichte wecken Emotionen und Erinnerungen

Das Singen von Weihnachtsliedern hatte für die jetzt hochaltrigen Menschen in ihrem Leben einen wesentlich höheren Stellenwert als heute. Wie Sie in Ihrer Arbeit sicher immer wieder feststellen, können ältere Menschen – auch Menschen mit Demenz – noch völlig textsicher Weihnachtslieder (und nicht nur die!) singen. Häufig kennen sie sogar den Text von Strophen, die Ihnen unbekannt sind. Neben den damit verbundenen angenehmen Emotionen fördern Sie auf diesem Weg auch die Kommunikation und schaffen ein Gemeinschaftsgefühl.

Der Weihnachtsmarkt ist für alle Menschen etwas ganz Besonderes

Der Weihnachtsmann, so wie wir ihn kennen, hat seinen Ursprung in den USA und existiert in dieser Form bei uns erst seit den 30er Jahren. Rote Mütze, rote Jacke, weißer Bart: Der Weihnachtsmann hat für alle Menschen etwas ganz Besonderes und macht das Weihnachtsfest zauberhaft und geheimnisvoll.

Besonders zum Heiligen Abend oder auf Ihrer Weihnachtsfeier sollte er nicht fehlen und den Bewohnern oder ambulant Betreuten eine Kleinigkeit aus seinem „Sack“ überreichen. Neben der Wertschätzung werden angenehme Gefühle aus der Biografie geweckt.

Das Weihnachtsfest in der Familie gestalten

Der Duft von Weihnachtsplätzchen oder Tannennadeln, das Singen von bekannten Weihnachtsliedern oder der gemeinsame Gottesdienstbesuch sprechen Menschen mit Demenz direkt auf der Gefühlsebene an. Dadurch werden schöne Erinnerungen geweckt und die Betroffenen fühlen sich aufgehoben und sicher.

Doch gerade in der Weihnachtszeit sind viele Angehörige unsicher, wie sie das Fest mit einem Menschen mit Demenz gestalten oder begehen können. Dabei bietet das Weihnachtsfest eine gute Möglichkeit, die Mauer zum geliebten Familienmitglied zu durchbrechen. Denn vertraute Rituale vermitteln dem Demenzkranken Sicherheit und Geborgenheit und erinnern sie an die Vergangenheit, mit der sich ein Mensch mit Demenz aufgrund seiner Demenz oft mehr verbunden fühlt als mit der Gegenwart.

Überforderung vermeiden

Wenn Angehörige Ihres Pflegekunden mit Demenz unsicher sind, wie sie Weihnachten und Silvester gestalten sollen, raten Sie ihnen von einem großen Fest mit vielen Menschen ab. Denn Menschen mit Demenz fehlt aufgrund ihrer hirnorganischen Veränderungen ein Abschirmmechanismus, sodass akustische und visuelle Reize sie ungefiltert erreichen. Zudem können diese Reize häufig nicht mehr richtig zugeordnet werden.

Hinweis: Die Feiertage sollten ruhig und ohne überladenes Programm gestaltet und nach Möglichkeit in einem kleinen, vertrauten Kreis begangen werden. Zu viel Hektik und unbekannte Gesichter überfordern Ihren Pflegekunden.

Bei Festvorbereitungen mit einbinden

Damit sich Menschen mit Demenz als aktiven und nützlichen Teil der Familie wahrnehmen können, ist es hilfreich, sie in einfache Tätigkeiten bei den Festvorbereitungen einzubinden, z. B. beim Plätzchenbacken, Tischdecken oder Schmücken des Tannenbaums. Auch das gemeinsame Anschauen von Familienfotos (siehe hierzu das Bild unten) oder das Vorlesen von bekannten Geschichten vermitteln das Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Keine Reizüberflutung zu Silvester

Weil Ihre Pflegekunden mit Demenz Reize häufig nicht mehr richtig zuordnen können, ist gerade zu Silvester Vorsicht geboten, da das Feuerwerk bei manchen Betroffenen Panik auslösen kann. Schon mancher Mensch mit Demenz fühlte sich durch das Silvesterfeuerwerk an Kriegszeiten erinnert und dachte, dass es sich dabei um einen Bombenangriff handelt.

Beachten Sie stets die Biografie

Berücksichtigen Sie bei der Gestaltung des Weihnachts- oder Silvesterfests stets die Biografie. Es ist gut möglich, dass dem einen oder anderen das Spektakel zum Jahreswechsel gefällt. Mancher Pflegekunde mit Demenz fand Weihnachten schon immer sentimental und hat daher am Weihnachtstrubel keinen Spaß.

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