Verlag & Akademie

Diese Grundlagen und Fachbegriffe der Demenz sollten Sie kennen

09.11.2018

Das Wort „Demenz“ stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Worten „de“ = „weg“ und „mens“ = „Geist, Verstand“ zusammen. Es gibt aber nicht die eine Demenz, sondern viele unterschiedliche Formen von Demenz. Sicherlich haben auch Sie als Pflegekraft in Ihrer täglichen Arbeit schon häufig beobachten können, welch verschiedene Symptome bei Demenzkranken auftreten und wie unterschiedlich der Verlauf einer Demenz sein kann.

Dennoch gibt es bestimmte Merkmale, die allen Demenzerkrankungen gemeinsam sind. Hierzu gehören chronische (d.h. mindestens 6 Monate anhaltende) oder fortschreitende Denkschwierigkeiten sowie Gedächtnis- und Orientierungsprobleme bei teilweise klarem Bewusstsein. Zu diesen kognitiven Einschränkungen kommt eine Reihe von Begleiterscheinungen hinzu, wie z.B. Veränderungen in der Stimmungskontrolle und im sozialen Verhalten.

Betroffene haben Schwierigkeiten mit der räumlichen, zeitlichen und / oder persönlichen Orientierung, die die Bewältigung des Alltags immer mehr zu einem Hindernisparcours werden lassen. Bei fortschreitender Erkrankung können sich Demenzkranke in vielen Dingen nicht mehr selbst helfen und sind auf Ihre professionelle Hilfe angewiesen.

Formen der Demenz

  1. Erstrangige bzw. primäre Demenzen
  2. Zweitrangige bzw. sekundäre Demenzen, die durch verschiedene Organerkrankungen ausgelöst werden

Die erstrangige oder primäre Demenz

Bei 90 % aller Demenzerkrankungen ist die Krankheitsursache im Gehirn zu finden. Diese Demenzformen werden als erstrangige oder primäre Demenzen bezeichnet und sind nicht reversibel, primäre Demenzen können nicht geheilt werden. Sie werden nochmals unterteilt in

  • degenerative Demenzen,
  • vaskuläre Demenzen sowie
  • Mischformen.

Degenerative Demenz

Eine degenerative Demenz zeichnet sich durch den Abbau (Degeneration) der Nervenzellen im Gehirn aus. Bei den degenerativen Demenzerkrankungen schrumpfen die Nervenzellen bestimmter Hirnregionen oder sterben ganz ab. Etwa 70 % der primären Demenzen sind degenerative Demenzerkrankungen. Hierzu zählen:

  • Morbus Alzheimer
  • Morbus Pick
  • Chorea Huntington
  • Morbus Parkinson

Vaskuläre Demenz

15 % aller primären Demenzerkrankungen sind vaskuläre Demenzen. Ursache einer vaskulären Demenz sind kleine, häufig aufeinanderfolgende Hirninfarkte oder Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Hinweis: Vaskuläre Demenzen lassen sich durch eine Therapie bezüglich der Risikofaktoren Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Fettstoffwechselstörungen in ihrem Verlauf positiv beeinflussen.

Mischformen

Mit zunehmendem Alter treten bei den Betroffenen häufig Mischformen der degenerativen und vaskulären Demenzen auf. Diese machen die übrigen ca. 10 bis 15 % aller primären Demenzen aus.

Die zweitrangige oder sekundäre Demenz

Ca. 10 % der Betroffenen leiden unter sekundären Demenzerkrankungen. Die Ursachen der sekundären Demenzen liegen in verschiedenen Organerkrankungen.

Hinweis: Bei einer sekundären Demenz ist es möglich, die geistige Leistungsfähigkeit der Betroffenen durch Behandlung der Ursachen und gezielte Rehabilitation teilweise wiederherzustellen.

Ursachen für eine sekundäre Demenz:

  • chronische Intoxikationen oder Infektionen
  • Vitaminmangel (B1, B12)
  • Elektrolytveränderungen
  • Anämie
  • Sauerstoffmangel
  • Stoffwechselstörungen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen)
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Mangelernährung
  • Herz-Kreislauf-Insuffizienz
  • Depression (Pseudo-Demenz)
  • Tumore

Übersicht: Unterteilung der Demenzformen

  1. Verlauf der primären Demenz: Primäre Demenzen verlaufen je nach Ursache unterschiedlich. Bei degenerativen Demenzen wie z. B. der Alzheimer-Demenz findet ein permanenter Abbauprozess der geistigen Leistung (Wahrnehmung, Erkennen, Gedächtnis) und der Alltagsfertigkeiten (IADL, ADL) statt. Bei vaskulären Demenzen verläuft der Abbauprozess dagegen stufenförmig bzw. schubweise. Nach Hirninfarkten treten gravierende Verschlechterungen auf. Der Zustand bleibt dann weitgehend gleich, bis erneut Hirninfarkte auftreten.
  2. Verlauf der sekundären Demenz: Der Verlauf sekundärer Demenzen kann im Rahmen dieses Beitrags nicht beschrieben werden, da er sich abhängig von der Ursache ganz unterschiedlich darstellen kann.

Diagnostik: Diese Testverfahren sollten Sie kennen

Sollten Sie bei einem Ihrer Patienten den Verdacht haben, dass er unter einer Demenz leidet, muss mit Hilfe einer gezielten Differenzialdiagnostik geprüft werden, ob eine sekundäre Demenz mit nichthirnorganischen Ursachen ausgeschlossen werden kann. Da die verschiedenen Demenzformen unterschiedliche Ursachen haben, ist eine genaue Diagnose wichtig, um weitergehende Therapien und medikamentöse Behandlungen abzustimmen. Gängige neuropsychologische Testverfahren sind der Uhrentest, der Mini-Mental- Statue-Test und der DemTect- Test.

Medizinische Tests bringen genaue Diagnose

Sollte sich bei den neuropsychologischen Tests der Verdacht einer Demenz erhärten, müssen medizinische Tests durchgeführt werden. Einige Demenzen sind Folge anderer Erkrankungen wie z.B. Morbus Pick, Chorea Huntington, Morbus Parkinson usw. Die Diagnose von Alzheimer-Demenz ist zurzeit eine reine Ausschlussdiagnose, d. h., wenn im Verlauf des Diagnoseverfahrens bei einer Demenz keine andere Ursache gefunden werden kann, wird eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert.

Typische Symptome

Das sind die typischen Symptome der Demenz, die je nach Form der Erkrankung in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:

  • Amnesie (Gedächtnis- und Orientierungsstörung)
  • Aphasie (Sprachstörung / Störung des Sprachverständnisses)
  • Apraxie (Unfähigkeit, erlernte Handfertigkeiten auszuführen)
  • Agnosie (Unfähigkeit, Dinge zu erkennen)
  • Abnahme der Urteilsfähigkeit und des Denkvermögens

Verschiedene Formen der Desorientierung

Aufgrund der oben genannten Symptome finden sich die Erkrankten in ihrer Umwelt nicht mehr richtig zurecht. Hierbei treten unterschiedliche Formen der Desorientierung auf.

Räumliche Desorientierung: Bekannte Umgebung und gewohnte Wege werden nicht mehr wiedererkannt. Die einfache Frage „Wo bin ich?“ drückt dies bereits aus. Notwendige Handlungen wie das Aufsuchen der Toilette sind häufig nicht mehr selbstständig möglich.

Zeitliche Desorientierung: Der Erkrankte verliert das Gefühl für Tageszeiten, Zeiträume oder Zeitpunkte. Er kann Verabredungen und Termine nicht einhalten, vergisst Mahlzeiten und steht unter Umständen nachts auf.

Situative Desorientierung: Betroffene können nicht mehr zuordnen, welche Reaktionen in welchen Situationen angemessen sind, und wirken so oft hemmungslos oder ohne Manieren. So entblößen sie sich z.B. in der Öffentlichkeit, halten überzogene Kritik nicht zurück oder tun andere Dinge, die in der unvorbereiteten Umgebung Anstoß erregen.

Personale Desorientierung: Ehemals bekannte Personen wie z.B. Ehepartner, Kinder, Freunde oder auch Sie als Pflegeperson werden teilweise nicht wiedererkannt. Auch das Wissen über die eigene Person kann in Mitleidenschaft gezogen sein.

Diese Therapieformen erleichtern Ihre Pflegearbeit

Damit Sie es als Pflege- und Betreuungskraft bei der Pflege und Betreuung von Demenzkranken etwas leichter haben, können Sie bestimmte Maßnahmen und Interventionen anwenden. Hierzu zählen bekannte Therapieformen wie

  • Validation
  • basale Stimulation,
  • Realitätsorientierungstraining (ROT),
  • Milieutherapie,
  • Musiktherapie,
  • Biografiearbeit und
  • Mäeutik.

Hinweis: Untersuchungen und auch die Erfahrung aus der Praxis zeigen, dass es bei Demenz keine universelle Therapieform gibt, die umfassend bei den genannten Verhaltensstörungen angewendet werden kann. Vielmehr verspricht das Zusammenspiel unterschiedlicher Therapieansätze Erfolg.

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Nein, Danke

Qualitäts-Management aktuell

1 x in der Woche finden Sie in unserem kostenlosen E-Mail-Newsletter PPM Qualitäts-Management aktuelle Tipps zur Qualitätssteigerung.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Palliativpflege heute

News und Praxistipps für eine professionelle Palliativpflege – speziell für Pflegekräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Menschen mit Demenz professionell pflegen

Wichtige Informationen zum Thema Pflege und Betreuung bei Demenz. So bewältigen Sie als Pflegefachkraft die speziellen Herausforderungen.

Herausgeber: VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
Sie können den kostenlosen E-Mail-Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Datenschutz-Hinweis

Nein, Danke

Nein, Danke

Nie mehr den Überblick verlieren!

Holen Sie sich Hilfe für Ihre stationäre Pflege!

In nur 15 Minuten über das Wichtigste informiert sein.

  • Pflegekokumentation
  • Mitarbeiterführung
  • Haftungsrecht
  • Nein, Danke

    Nein, Danke