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So gelingt die Erinnerungsarbeit mit Demenzerkrankten

07.01.2020

Der Begriff „Biografie“ stammt aus dem Griechischen. „Bio“ bedeutet „das Leben“, „Grafie“ „die Schrift“. Biografie ist die Lebensbeschreibung eines Menschen. Jeder hat seine ganz individuelle und einzigartige Lebensgeschichte.

Eine Biografie ist keine Beschreibung, die allein aus Tatsachen besteht. Wir konstruieren uns unsere Lebensgeschichte ganz subjektiv. Die Rückschau auf die eigene Lebensgeschichte ist immer mit einer Bewertung verbunden. Für uns unbedeutende Momente bleiben selten in Erinnerung, über Ereignisse, die uns z. B. positiv berührt haben, sprechen wir gern. Der Faktor „Bewertung von Lebensereignissen“ unterscheidet somit die Biografie von der Darstellung eines Lebenslaufes, in dem nur die äußeren Daten eines Lebens, nach zeitlichem Ablauf, dokumentiert sind, wie z. B. Schule, Beruf, Hochzeit, Kinder, Rente usw.

In der Biografiearbeit mit Menschen mit Demenz ist es wichtig, dass wir nicht nur Wissen über die Lebensdaten haben, sondern möglichst auch etwas über die Bewertung der Lebensereignisse erfahren. Hier ist nicht die Bewertung von außen gemeint, sondern die Frage lautet: Wie hat der Mensch mit Demenz Situationen und Ereignisse in seinem Leben empfunden, hatte er z. B. Freude im Beruf, oder weckt die Erinnerung daran ungute Gefühle? (Lesen Sie hier, wie gut Ihre Biografiearbeit wirklich ist.)

Mit Erinnerungspflege unterstützen Sie die Biografiearbeit

Die Biografiearbeit ist somit die persönliche Rückschau auf das eigene Leben, die die Bewertung von Lebensereignissen mit einschließt. Menschen mit Demenz können am Anfang der Erkrankung diese Rückschau von sich aus gestalten. Schreitet die Erkrankung voran, brauchen die Erkrankten Ihre Hilfe, um sich zu erinnern. Daher wird die Biografiearbeit mit Menschen mit Demenz im mittleren und fortgeschrittenen Stadium als Erinnerungspflege umgesetzt. Dies bedeutet, dass die Lebensrückschau von außen, also auch durch Sie, unterstützt und angeleitet wird.

Eine kritische Bewertung und Beleuchtung von persönlichen Schwächen oder möglichem Fehlverhalten im Laufe des Lebens werden von außen nicht vorgenommen. Erinnerungsarbeit hat keinen psychotherapeutischen Ansatz. Die Fähigkeit für eine Aufarbeitung von unbewältigten Lebensthemen geht mit dem Fortschreiten der Demenz immer mehr verloren. Die direkte Konfrontation damit beschämt oder verletzt nur. Verschaffen Sie dem Menschen mit Demenz wertschätzende Momente aus seinem Lebenspuzzle. Folgendes Beispiel veranschaulicht, wie gut sich Erinnerungsarbeit in Ihrem Pflegealltag umsetzen lässt. Frau L. (ehem. Bäckerin) erhält beim Frühstückanreichen ein Lob: „Frau L., Sie haben die besten Brote gemacht, Ihr Sauerteigbrot war berühmt.“ Frau L. antwortet strahlend: „Die Brote gingen gut weg.“

Erinnerungsarbeit soll angenehme und positive Erinnerungen wecken!

Praxistipp: Was tun, wenn schlimme Erinnerungen hochkommen?

Manchmal teilen uns Menschen mit Demenz angstmachende Erinnerungen aus ihrer Lebensgeschichte von sich aus mit. Sie erzählen von Erlebnissen. Oder sie teilen uns die Erinnerungen durch ihr Verhalten mit. Eine Dame (Frau H.), die ich begleiten durfte, packte in ihrem Zimmer unruhig Sachen zusammen und setzte sich dann ängstlich auf den Boden. Aus ihrer Biografie wussten wir, dass ihre Wohnung durch Bomben im Krieg getroffen und zerstört wurde. Ihr half es, dass ihr glaubhaft versichert wurde, dass es nun wieder sicher ist und sich alle im Gemeinschaftsraum treffen. Sie ging dann jedes Mal beruhigt mit und unterhielt sich mit den anderen Bewohnerinnen. Einen Auslöser von außen konnten wir nicht entdecken (Lärm, Flugzeuge o. Ä.), aber wir dokumentierten, was Frau H. in dieser Situation geholfen hat. So konnte Frau H. von allen Mitarbeitern / -innen die gleiche hilfreiche Unterstützung erfahren.

So nehmen Sie Demenzerkrankten die Angst

In solchen Situation ist es wichtig, dass Sie die Gefühle der erkrankten Person gelten lassen und ernst nehmen.

6 Schritte: So nehmen Sie Demenzerkrankten die Angst

1. Schritt: Zeigen Sie Verständnis durch aktives Zuhören.

2. Schritt: Stellen Sie zuerst eine Beziehung her (gehen Sie auf Augenhöhe, halten Sie Blickkontakt), melden Sie zurück, was Sie verstanden haben, und verbalisieren Sie die Gefühle des Erkrankten. Probieren Sie auch aus, ob eine Berührung (z. B. an der Hand, am Arm) als angenehm und beruhigend empfunden wird.

3. Schritt: Beruhigen Sie den Erkrankten, und vermitteln Sie Sicherheit, sagen Sie z. B.: „Gut, dass wir heute in Sicherheit leben.“

4. Schritt: Daraus können sich weitere Gesprächsthemen ergeben, die den Erkrankten weiter beruhigen und auch ablenken können.

5. Schritt: Machen Sie sich auf die Suche nach möglichen Auslösern.

6. Schritt: Dokumentieren Sie hilfreiche Verhaltensweisen, und tauschen Sie sich darüber in Fallgesprächen aus.

Reagieren Sie auf Traurigkeit mit Zuwendung

Ähnlich können Sie auch bei traurigen Gefühlen handeln. Lassen Sie diese gelten, und zeigen Sie Verständnis. Sie können den Erkrankten im nächsten Schritt unterstützen, wieder Mut zu fassen. Erinnern Sie z. B. an schöne Momente aus seinem Leben. Bitte beachten Sie, dass jeder Mensch auch ein Recht auf Traurigkeit hat, nicht jedes Stimmungstief muss eine Ablenkung erfahren. Wichtig ist, dass sich der Erkrankte durch Ihre Zuwendung angenommen und verstanden fühlt. Dies kann manchmal auch nur durch ein gemeinsames Seufzen oder das Halten der Hand (wenn Berührung gewünscht ist) ausgedrückt werden.

Wichtiger Hinweis: Verstärkt sich das Stimmungstief zunehmend, können auch eine Depression oder andere Ursachen (Schmerz, Infekte etc.) vorliegen. Beobachten Sie hier genau, und sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt darüber.

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