Verlag & Akademie

So unterstützen Sie Ihre bettlägerigen Pflegekunden

13.09.2017

Haben Sie sich auch schon oft gefragt, was wohl in unseren bettlägerigen Pflegekunden vorgeht? Wie schlimm muss es sein, wenn man sich seiner Umgebung nicht mehr mitteilen kann? Um unsere bettlägerigen Pflegekunden in solchen Fällen besonders unterstützen und den „Lebensraum Bett“ so angenehm wie möglich gestalten zu können, empfehlen wir Ihnen 3 Maßnahmen.

Geschichte über Frau Wolkenstein

Einmal will ich hier noch raus. Nein, viele Male, immer mal. Ich will das Gras sehen und anfassen und über bemooste Baumstümpfe streicheln. Der Krach, den die Welt heute macht, ist mir gar nicht so wichtig. Oh Gott, oh Gott, das tut aber weh! Müssen denn die Menschen die Türen hier so zuschlagen? Oder ist das vielleicht mein Mann? Ich liege in einem Alleinzimmer. Aber vielleicht schläft hinter mir doch noch jemand?

Wie viel Uhr wir jetzt wohl haben werden? Ist es ein Nachmittag oder ein Donnerstag? Das Fenster hier in meinem Zimmer liegt so weit entfernt – ist es deshalb so klein? Niemand fragt mich, ob ich einmal rausschauen möchte. Und diese dummen Gardinen, sie lassen das Licht nur als Nebelschleier herein. Ich kann so schlecht meinen Kopf drehen. Nur die Decke ansehen, nein, nein, die kommt so oft runter und erdrückt mich.

Nur liegen zu müssen macht mich so müde, müde ... Habe ich noch einen Körper? Auf Dauer geht dieser Zustand – ist das überhaupt noch ein Zustand? – denn mit einem Zustand könnte ich etwas anfangen – ja, bitte, da haben wir es wieder einmal, denn ich kann keine richtigen Sätze mehr bilden. Wo war ich stehengeblieben?

Wer macht denn da schon wieder die Tür auf? Hallo, hallo, ist da wer? Ach so, ich kann ja gar nicht mehr sprechen ... Alle glauben, ich sei nicht mehr ganz richtig im Kopf. Sie haben ja recht! Da fehlt irgendwo so eine Verbindungsstraße zu meinem Mund. Aber irgendwann und irgendwo muss es doch eine Brücke geben?

Ich weiß nicht, wie lange ich in diesem Haus ausharre, ohne Zeitung und ohne geregelte Ansprache. „Frau Woolkensteeiin! Sie müssen den Teebecher mit beiden Händen umfassen!“ Was schreit dieses junge Gör mich denn so an? Sie riecht wie mein Großvater nach, nach was weiß ich was – einfach schrecklich. Was meint sie wohl mit umfassen? Immer machen die etwas an mir. Schwindelig wird mir, wenn ich mit meinem Gesicht plötzlich woanders hingucken muss.

Ich habe Angst beim Drehen, wie sie es nennen. Jetzt ist es genug. Nein, nein, nein, ich lasse das nicht mehr los. Geht weg! Finger weg! Nein, ich will nicht mehr!

Brabble ich nur für mich verständlich? Jetzt soll ich auch noch was essen. „Ich stelle jetzt das Bett nach oben, Oma Wolkenstein.“ Nein, nicht an die Decke, die Decke erdrückt mich! Lasst mich ruuuunter! Oh Gott, oh Gott, warum versteht mich denn niemand?

„Na, na, Oma, hier wird nicht geschlagen! So, und jetzt den Mund aufmachen; runterschlucken, hallo, Oma, runterschlucken. Ja, so ist es fein. Oh nein, jetzt auch noch auf das frische Nachthemd! Jetzt reicht es aber, Oma ...“

1. Haltung vor Handlung

Reflektieren Sie immer wieder Ihr Menschenbild und Ihre persönliche Haltung. Um was geht es Ihnen persönlich in der Begleitung komplett bettlägeriger Menschen? Ihnen ist sicher bewusst: Einen direkt messbaren Erfolg Ihrer täglichen Arbeit wird es mit dieser Klientel eher selten geben. Welche Grundsätze beachten Sie, was kann Sie persönlich motivieren? Um dies im Alltag herauszufinden, sollten Sie sich gut beobachten und reflektieren.

Wie reagieren Sie, wenn Ihr Pflegekunde im Bett zum 5. Mal während des Dienstes die Hand gegen Sie erhebt? Können Sie das noch als Ausübung seiner Selbstbestimmung – mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mittel – einordnen? Agieren Sie hier nicht als Einzelkämpfer. Suchen Sie den Austausch im Team oder mit Kollegen, denen Sie vertrauen.

2. Raumgestaltung

Ist das Zimmer vielleicht ein Doppelzimmer? Hat in dem Fall dann jeder Pflegekunde ausreichend Privatsphäre? Mit Grauen erinnere ich mich an eine Situation in einer stationären Pflegeeinrichtung: Ein Doppelzimmer war mit 2 Männern belegt. Der eine war komplett immobil und auch nicht mehr in der Lage zu kommunizieren, der andere war noch fit. Und beide Betten waren so gestellt, dass sich beide, wenn sie im Bett lagen, frontal gegenüber angeschaut haben. Wie sich das wohl für den bettlägerigen Pflegekunden angefühlt haben muss? Bei der Grundpflege, beim Essenanreichen, bei allem von gegenüber beobachtet zu werden? In einem solchen Fall können Sie gut mit einem Paravent oder einem fest installierten Sichtschutz arbeiten. Sind die Gardinen ausreichend lichtdurchlässig? Geben Sie Ihrem Pflegekunden auch öfter mal die Möglichkeit nach draußen zu sehen. Öffnen Sie die Gardinen immer wieder, ermöglichen Sie einen Ausblick.

3. Unterstützung bei der Körperwahrnehmung

Bettlägerige Menschen „vergessen“, wo sie aufhören, und haben oft kein Gespür mehr für ihre Körperkonturen. Begrenzungen schaffen ist hier eine wichtige Aufgabe. Stellen Sie das Bett mit einer Seite an die Wand. Das vermittelt Sicherheit. Ebenso verhält es sich mit der Schaffung von Begrenzungen am eigenen Körper. Dafür sind alle Arten der Nestchenlagerungen gut geeignet. Besonders schön wäre es auch, wenn es Ihnen gelingen würde, während der unterschiedlichen Pflegemaßnahmen stets eine Hand am Körper des Bewohners aufliegen zu lassen. Das gewährleistet zum einen, dass Ihre eigenen Bewegungen ruhiger und überlegter werden. Und Ihr Pflegekunde erlebt Ihre Handlungen und Berührungen als angenehm und vorhersehbar. Wenn Sie ihn dagegen ständig loslassen und an anderer Stelle wieder anfassen, kann das sehr verwirrend sein.

4. Weniger ist mehr

Bei den verschiedenen Maßnahmen zum Thema „Lebensraum Bett“ gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr. Viele Ihrer bettlägerigen Pflegekunden sind hochbetagt und haben durchaus auch das Recht, vom Leben einfach müde zu sein. Es gilt, bei den vorgestellten Maßnahmen eine gute Balance zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ zu finden.

Beobachten Sie bei allen pflegerischen oder therapeutischen Angeboten die Reaktion Ihres Pflegekunden. So können Sie in Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen im Laufe der Zeit herausfinden, was wirklich positiv von Ihren Kunden angekommen wird.

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