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Der Uhrentest gibt Ihnen Hinweise für Ihren Pflegealltag

02.10.2020

Frau Müller hat gelesen, dass der Schweregrad einer Demenz mit dem einfachen Zeichnen einer Uhr erfasst werden kann. Sie wollte dies direkt in der Praxis ausprobieren und bat daher eine demenziell veränderte Pflegekundin, Frau Kürten, eine Uhr zu malen. Frau Müller hatte einen Kreis auf das Papier gemalt und Frau Kürten sollte nun die Zahlen einzeichnen. Doch die Pflegekundin löste die Aufgabe anders als gedacht: Sie schrieb das Wort „UHR“ in den Kreis hinein.

Frau Kürten hatte zwar die Aufgabe nicht wie vorgegeben gelöst, aber gleichzeitig einen Ansatzpunkt für die Pflege und Betreuung geliefert: Offenbar konnte sie weitaus besser lesen und schreiben, als wir es vermutet hatten. Dies bestätigte sich in der folgenden Zeit. Frau Kürten wurde gebeten, öfter einmal vorzulesen, oder wir schrieben ihr Hinweiszettel, die ihr bei der Orientierung halfen.

Der Uhrentest gibt Ihnen einen Hinweis auf kognitive Einbußen

Wie in diesem Beispiel können Sie aus dem kurzen Uhrentest auch für den Umgang mit Ihren demenziell veränderten Pflegekunden interessante Hinweise ableiten. Der Uhrentest ist ein kognitives Screening-Verfahren. Dies bedeutet, dass Sie einen groben Überblick darüber erhalten, wie weit die kognitiven Beeinträchtigungen bei Ihren demenziell veränderten Pflegekunden fortgeschritten sind.

Er wird von den getesteten Personen besser als andere Demenztests angenommen, da er nicht wie etwa der Mini-Mental-Test Wissen abfragt, sondern mit dem Zeichnen der Uhr eine einfache alltägliche Aufgabe stellt. Sie als Pflege- oder Betreuungskraft können die Durchführung leicht erlernen. Außerdem dauert er nur 5–10 Minuten.

Hinweis: Sie als Pflegekraft sollten sich gut überlegen, warum Sie den Uhrentest durchführen möchten und welches Ziel dahintersteht. Denn Testen um des Testens willen nutzt dem Menschen nicht. Es kann sogar als sehr frustrierend empfunden werden, wenn das Lesen der Uhr nicht mehr geschafft wird. Daher sollten Sie hier auch einfühlsam vorgehen. Der Uhrentest ist ein kleiner Puzzlestein in der Diagnostik und kann nur ein 1. Hinweis sein.

Diese Fähigkeiten stellt Ihr Pflegekunde bei diesem Test unter Beweis

Ihr Pflegekunde ruft beim Zeichnen der Uhr verschiedene kognitive Funktionsbereiche ab, die auch für die Alltagsbewältigung notwendig sind. Dies zeigt Ihnen, wo seine Schwierigkeiten liegen, und Sie können ihn beim Ausgleich seiner Defizite entsprechend unterstützen.

Diese 3 Hauptanforderungen muss Ihr Pflegekunde bewältigen:

1. Anleitung verstehen

Um die Uhr zeichnen zu können, muss Ihr Pflegekunde Ihre mündliche Anleitung / Aufgabenstellung verstehen und umsetzen. Im Alltag benötigt er diese Fähigkeit, um sich generell mit seiner Umgebung verständigen zu können. So muss Ihr Pflegekunde etwa verstehen können, welche Hinweise und Anleitungen Sie ihm geben. Sonst kann er nicht danach handeln.

So können Sie die Ergebnisse des Uhrentests nutzen:
Wenn Ihr Pflegekunde damit beginnt, eine Uhr zu malen, ist die Fähigkeit, Anleitung in Handlung umzusetzen, grundsätzlich vorhanden. Falls ihm dies im täglichen Pflegealltag weniger gut gelingt, versteht er möglicherweise den Wortlaut Ihrer Anleitung nicht. Folgende Fragen helfen Ihnen, dies näher zu ergründen:

  • Haben Sie die Anleitung kurz und knapp formuliert?
  • Hatten Sie während des Sprechens Blickkontakt?
  • Haben Sie laut und deutlich gesprochen?

2. Gespeichertes Wissen abrufen

Um die Uhr zu Papier zu bringen, muss er deren Ziffern vor seinem inneren Auge abrufen, d.h. sich daran erinnern, was eine Uhr ist, wie sie aussieht und welche Zahlen sich auf dem Ziffernblatt befinden. Um im Alltag richtig zu reagieren, muss Ihr Pflegekunde ebenfalls auf gespeichertes Wissen zurückgreifen.

So können Sie die Ergebnisse des Uhrentests nutzen:
Falls Ihr Pflegekunde sich an die Uhr als solche erinnert, sind vermutlich auch andere Bereiche seines Langzeitgedächtnisses erhalten. Aktivieren Sie diese Erinnerungen daher gezielt. Versuchen Sie, viel über frühere Gewohnheiten zu erfahren, und berücksichtigen Sie diese im Alltag. Nutzen Sie bei Orientierungshilfen Symbole, die er von früher kennt. Denn je besser Ihr demenziell veränderter Pflegekunde sich erinnert, desto selbstständiger ist er im Alltag.

3. Praktisches Handeln

Ihr Pflegekunde muss sich nicht nur an das Aussehen der Uhr erinnern, sondern sie anschließend auch in der richtigen Anordnung zu Papier bringen. Im Alltag benötigt der Pflegekunde ähnliche Fähigkeiten, um seine Erinnerungen in die richtige Handlung umzusetzen.

Beispiel: Viele demenziell veränderte Pflegekunden erkennen zwar in ihrer Zahnbürste generell eine Bürste, kämmen sich aber auch die Haare damit, da sie sich an die Handlung „Kämmen“ besser erinnern als an das Zähneputzen.

So können Sie die Ergebnisse des Uhrentests nutzen:
Je mehr Umsetzungsschwierigkeiten Ihr Pflegekunde beim Zeichnen der Uhr hat, umso mehr Probleme hat er vermutlich generell bei Alltagshandlungen. Entsprechend kleinschrittiger müssen Sie die Anleitung und Förderung gestalten.

Beispiel: Wenn die Pflegekräfte Frau Kürten baten, den Oberkörper selbst zu waschen, lehnte diese die Bitte jedes Mal heftig schimpfend ab.

Der Uhrentest ergab, dass die Pflegekundin starke Umsetzungsschwierigkeiten beim Zeichnen des Ziffernblattes hatte und die Uhrzeit gar nicht einzeichnen konnte. Entsprechend erkannten die Pflegekräfte, dass Frau Kürten mit der Aufforderung, sich den Oberkörper zu waschen, schlichtweg überfordert war und sich deshalb so sehr dagegen wehrte. Sie können die Pflegekundin aber zum Beispiel mit überschaubaren Teilschritten anleiten (erst das Gesicht, dann die Oberarme etc.).

Fazit: Betrachten Sie die Testergebnisse ressourcenorientiert

Solange Ihr Pflegekunde mit dem Zeichnen des Ziffernblattes beginnt, ist dies ein Hinweis für Eigeninitiative, die Sie fördern sollten. Viele Pflegemitarbeiter übernehmen Handlungen wie etwa die Körperpflege komplett, wenn sie dem Pflegekunden scheinbar nicht mehr gelingen. Sie unterdrücken hiermit dessen Eigeninitiative und trainieren ihm eine zunehmende Hilflosigkeit an. Beachten Sie daher auch kleinste Signale von Eigenständigkeit und fördern Sie diese.

Übersicht: So führen Sie den Uhrentest korrekt aus

  • Legen Sie ein Blatt Papier vor Ihren Pflegekunden, auf das Sie einen Kreis gezeichnet haben.
    • Ein Durchmesser von 10 cm ist hierfür gut geeignet.
    • Achten Sie darauf, dass die Kreislinien gut sichtbar sind.
  • Geben Sie eine kurze und knappe Anleitung
    • wie etwa: „Dieser Kreis soll eine Uhr sein. Bitte malen Sie die Zahlen der Uhr ein.
    • Bitten Sie Ihren Pflegekunden anschließend, die Uhrzeit „10 nach 11“ einzuzeichnen.
  • Machen Sie sich Notizen dazu, wie Ihr Pflegekunde die Aufgabe löst.
    • Dies ist häufig ebenso aufschlussreich wie das Endergebnis.

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