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Expertenstandard „Demenz“: So finden Sie heraus, was für Ihren Pflegekunden von Bedeutung ist

15.02.2019

Im folgenden Artikel möchten wir Ihnen die Planung individuell angepasster beziehungsfördernder und -gestaltender Maßnahmen sowie die Anforderungen an die Rahmenbedingungen in Ihrem Pflegedienst vorstellen.

Maßnahmenplanung auf Grundlage einer Verstehenshypothese

Wie immer müssen Sie konkrete Maßnahmen planen. Die Maßnahmenplanung sollen Sie auf der Grundlage einer sogenannten Verstehenshypothese vornehmen. Nach den Ausführungen im Expertenstandard unter dem Prozesskriterium 2 basiert eine Verstehenshypothese darauf, dass Sie Ihre im Rahmen der Informationssammlung gewonnenen Erkenntnisse den Symptomen einer Demenz sowie den Persönlichkeitsmerkmalen Ihres Kunden zuordnen. Folgende Fragen sollen Sie nach Ansicht der Experten berücksichtigen:

  • Wie erlebt Ihr Pflegekunde sich selbst, andere Menschen und seine Welt?
  • Aus welchem Denken, Fühlen und Erleben heraus ergeben die Verhaltensweisen, Befindlichkeiten und Erscheinungsweisen einen subjektiven Sinn?
  • Was ist die Funktion von Verhaltensweisen, was wird mit dem Verhalten kompensiert, auf welche inneren Antriebe, Fragen, Themen ist das Verhalten eine Antwort?

Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse

Im Mittelpunkt Ihrer Überlegungen sollen Sie das Verhalten und die Befindlichkeiten aus der Sicht Ihres Pflegekunden als sinnvoll und problemlösend nachvollziehen. Die Verstehenshypothese soll Ihnen dabei helfen, nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, sondern das Verhalten Ihres Pflegekunden als seine Problemlösungsstrategie zu verstehen. Eine solche Vorgehensweise bei der Planung beziehungsfördernder Maßnahmen stellt nach Ansicht der Expertengruppe einen Kulturwandel im Umgang von Menschen mit Demenz dar und erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten, aber auch dem Ihres betroffenen Pflegekunden.

Finden Sie heraus, was für Ihren Pflegekunden von Bedeutung ist

Die Planung der Beziehungsgestaltung beginnt nun damit, dass Sie herausfinden, welche Ziele für Ihren Pflegekunden mit Demenz bedeutsam sind. Diese Ziele werden oftmals nicht mit Ihren Vorstellungen übereinstimmen, aber genau darum geht es bei der Verstehenshypothese: Ihr Pflegekunde und seine Bedürfnisse – z. B. nach Nähe, Sicherheit, Hoffnung oder auch Trost – stehen im Mittelpunkt. Ihnen muss bewusst sein, dass auch bei fortschreitender Demenz die Gefühlswelt Ihres Pflegekunden erhalten bleibt. Es wird für ihn lediglich schwerer, Gespräche zu führen, zu verfolgen oder sich generell an Kommunikation aktiv zu beteiligen. Sicher ist aber, dass Ihr Pflegekunde spüren wird, ob er an- und ernst genommen wird.

Aspekte bei der Planung beziehungsfördernder Maßnahmen

Auf der Grundlage der Verstehenshypothese sollten Sie nach Ansicht der Experten bei der Planung beziehungsfördernder Maßnahmen folgende Aspekte beachten:

  1. Es ist nachvollziehbar geplant, welche Maßnahmen zum Einsatz kommen, ebenso der Zeitpunkt, die Zuständigkeit sowie individuelle Besonderheiten.
  2. Sie stellen sicher, dass andere an der Versorgung beteiligten Personen, wie z. B. Assistenz- oder Betreuungspersonen, den Maßnahmenplan kennen und flexibel an der Einhaltung mitwirken können, z. B. durch Anleitung, Begleitung und Überprüfung.
  3. Der Maßnahmenplan soll eine Vielfalt an Maßnahmen beinhalten, sodass flexibel mit Schwankungen im Demenzerleben umgegangen werden kann. Dies kann erfordern, dass manchmal von jetzt auf gleich Ihr Handeln angepasst werden muss.
  4. Sie planen die beziehungsfördernden und -gestaltenden Maßnahmen in 1. Linie im Zusammenhang mit Ihrem pflegerischen Auftrag.
  5. Ihre geplanten Maßnahmen basieren auf einer personzentrierten Haltung und fördern die Selbst- bzw. Mitbestimmung Ihres Pflegekunden mit Demenz.

Es geht nicht um stabile Tagesabläufe

Grundlage Ihrer Maßnahmenplanung ist immer die personzentrierte Beziehungsgestaltung. Beachten Sie, dass gerade in der ambulanten Pflege diese immer wieder neu ausgehandelt werden muss, da Angehörige sich oftmals mehr auf stabile häusliche Tagesabläufe als auf individuelle und an Ihrem Pflegekunden orientierte Aktivitäten fixieren. Ihre Aufgabe ist es daher, die Angehörigen von Beginn an begleitend zu beraten und Prioritäten zu erklären.

Planen Sie Maßnahmen für gute und schlechte Tage

Welche Interventionen und Maßnahmen zur Gestaltung und Förderung von Beziehung Sie im pflegerischen Alltag nutzen, müssen Sie individuell festlegen. Nach Ansicht des Expertenstandards gehört hierzu beispielsweise, dass Sie als Pflegefachkraft Ihre Schwerpunkte auf die Aspekte Lebensweltorientierung, Wahrnehmungsförderung, Wertschätzung und Zuwendung sowie etwaige spezifische Maßnahmen legen, z. B. Biografiearbeit, Milieugestaltung, Nutzung von Hilfsmitteln wie Brille, Hörgerät etc., Orientierungshilfen wie basale Stimulation, Alltagsorientierung, Schaffung von Präsenz und Nähe, personelle Kontinuität, Haustiere, Singen, Tanz u. v. m. Es würde zu weit führen, alle Aspekte hier aufzuführen. Konkrete Tipps und Hintergründe erhalten Sie im Expertenstandard auf den Seiten 53 ff.

Dokumentieren Sie, von wem und in welcher Art und Weise beziehungsfördernde und -gestaltende Maßnahmen durchgeführt werden. Achten Sie auf eine große Bandbreite – quasi für gute und schlechte Tage. Aus Sicht Ihres Pflegekunden ist es Ziel der Maßnahmen, einen sinnvollen Alltag zu erleben. Nach Ansicht der Experten sind Kriterien hierfür die Balance zwischen Sicherheit und Zugehörigkeit einerseits sowie Selbstbestimmung andererseits sowie die Balance zwischen dem Bedürfnis nach Rückzug und Distanz einerseits und dem Bedürfnis nach Eingebundensein, Teilhabe und Betätigung andererseits. Die Durchführung oder Nicht-Durchführung oder auch Abweichungen von geplanten Maßnahmen müssen in der Pflegedokumentation nachvollziehbar sein.

Evaluieren Sie Ihre Maßnahmen laufend

Auch die Evaluation Ihrer geplanten Maßnahmen erfolgt auf Grundlage einer personzentrierten Haltung. Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen muss aufgrund des sich stetig verändernden Gesundheitszustandes laufend erfolgen. Dazu sollen Sie insbesondere Ihren betroffenen Pflegekunden, aber auch andere an der Versorgung Beteiligte befragen und beobachten.

Fragen Sie Ihren Pflegekunden mit Demenz

Fragen an Ihren Pflegekunden sollen sich nach Ansicht der Expertengruppe auf das Hier und Jetzt richten und müssen in einfacher und unmissverständlicher Sprache, gut strukturiert mit einfachen Antwortmöglichkeiten gestellt werden. Fragen Sie Ihren Pflegekunden beispielsweise, ob er sich heute Morgen wohlfühlt oder ob er weiß, was er heute Mittag essen möchte, und anschließend, ob er weiß, was hierfür eingekauft werden muss. Achten Sie insbesondere auf etwaige Unter- oder Überforderung. Wenn immer nötig, passen Sie Ihre Maßnahmen an.

Schaffen Sie Rahmenbedingungen

Sie als Pflegedienst müssen für Rahmenbedingungen personzentrierter, beziehungsfördernder und -gestaltender Angebote sorgen. Nach Ansicht der Expertengruppe müssen Sie als Leitung eines Pflegedienstes dafür Sorge tragen, dass

  • Ihre Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, Ihre Pflegekunden mit Demenz in ihrer eigenen Individualität und Situation zu begreifen und ihre Ressourcen und Fähigkeiten zu entdecken, um sie dann behutsam in den Alltag einzubinden sowie das seelische, emotionale, soziale und körperliche Wohlbefinden Ihrer Pflegekunden mit Demenz zu unterstützen, indem sie ihre situativen Äußerungen wahrnehmen, zeitnah darauf reagieren und eine lebensweltorientierte Begleitung anbieten,
  • Ihre Pflegekunden mit Demenz ein möglichst hohes Maß an Sicherheit und Geborgenheit erleben,
  • Ihren Mitarbeitern ausreichend Zeit zur Verfügung steht, da Ihre Pflegekunden mit Demenz mehr Zeit benötigen, um Handlungen zu verstehen und darauf reagieren zu können, sowie
  • eine kontinuierliche Betreuung durch vertraute und positiv wahrgenommene Bezugspersonen erfolgt und relativ gleichmäßige Tagesabläufe mit positiven Erlebnissen und Alltagsritualen ermöglicht werden.

Um diese Aufgaben erfüllen zu können, ist es erforderlich, dass Sie als Pflegedienstleitung Möglichkeiten zur Kompetenzerweiterung bezüglich personzentrierter Pflege sowie Beziehungsgestaltung und -förderung von Menschen mit Demenz erhalten. Daneben sollen alle an der Versorgung beteiligten Mitarbeiter Bildungsangebote zu einer personzentrierten Pflege erhalten und eine Begleitung zur Bearbeitung und Bewältigung der Herausforderungen in der Beziehungsgestaltung zu Menschen mit Demenz ermöglicht werden.

Erstellen Sie ein personzentriertes Konzept für die Pflege Ihrer betroffenen Pflegekunden

Als ambulanter Pflegedienst müssen Sie nach den Vorgaben des Expertenstandards sicherstellen, dass die Pflege Ihrer Pflegekunden mit Demenz auf Basis eines personzentrierten Konzepts gestaltet wird und Sie über eine Verfahrensregelung verfügen, in der die Zuständigkeiten für beziehungsfördernde und -gestaltende Angebote definiert sind. Ein solches Konzept beinhaltet eine Beschreibung dessen,

  • was Sie in der Pflege von Menschen mit Demenz unter Personzentrierung verstehen,
  • wer die Zielgruppe ist,
  • welche Setting-spezifischen Besonderheiten der Beziehungsförderung und -gestaltung es gibt,
  • wie Strukturen und Prozesse zum Erhalt und zur Förderung der Beziehungen zu Pflegekunden mit Demenz geregelt sind und
  • welche Ergebnisse Sie hinsichtlich der Beziehungsförderung und -gestaltung als Teil der Lebensqualität erwarten.

Hinweis: Wie Sie wissen, handelt es sich in der derzeitig vorliegenden Fassung des Expertenstandards „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ um einen Sonderdruck. Das bedeutet, dass dieser noch nicht für Sie verbindlich ist. Die endgültige Veröffentlichung ist für das Frühjahr 2019 geplant.

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