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Wie Sie Eskalationen jetzt professionell verhindern

07.07.2017

Sind Sie schon einmal von einem Pflegekunden gebissen, geschlagen, getreten oder gekniffen worden?
Hat Sie schon einmal ein Angehöriger beleidigt oder beschimpft? Vermutlich gibt es kaum Pflegekräfte, die dies noch nicht erlebt haben.

 

Vermeiden Sie Eskalationen mit diesen 5 Tipps

Herausforderndes Verhalten hat meist verschiedene Ursachen. Entscheidend sind etwa die Umgebung und auch die Herangehensweise von Angehörigen und Ihnen als Pflegekraft, aber auch die individuelle Situation Ihres Pflegekunden. Setzen Sie daher auf verschiedenen Ebenen an. Anregungen hierzu bieten Ihnen die folgenden 5 Tipps.

Hinweis: Die Tipps basieren auf dem Stufenmodell des Instituts für professionelles Deeskalationsmanagement (ProDeMa®). Dieses bietet hierzu ein umfassendes Präventionskonzept zum Umgang mit Gewalt und herausforderndem Verhalten. Es soll Pflegekräften helfen, Eskalationen durch eine professionelle Grundhaltung zu verhindern. Mehr hierzu erfahren Sie auf der Internetsite www. prodema-online.de

1. Beugen Sie der Entstehung von Gewalt vor

Hinterfragen Sie Ihre Abläufe und Tourenpläne kritisch: Welche Faktoren könnten bei Ihren Pflegekunden auf Dauer zu herausforderndem Verhalten führen? Beispiele hierfür wären zzpauschale Aufsteh­- und Ruhezeiten,

  • negative Einstellung von Mitarbeitern, Streitigkeiten im Team,
  • starre Abläufe auch im häuslichen Bereich,
  • Überforderung von Angehörigen,
  • Verhalten von Mitbewohnern im stationären Bereich,
  • Reizüberflutung/viele laute Geräusche.

2. Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten

Sie als Pflegekraft nehmen wahr, bewerten und reagieren. Dies bedeutet, Sie bleiben entweder in einer Situation gelassen, oder aber Sie sind selbst so aufgebracht oder haben es eilig, dass Sie zu unbedacht reagieren oder unbewusst zur Eskalation beitragen. Analysieren Sie daher im Nachhinein immer, wie die Situation entstanden ist.

Beispiel: Frau Ferber kneift die Pflege­ kraft heftig, als die ihr das Nachthemd ausziehen will.

Der Grund: Die Pflegekraft hatte es eilig und daher sofort mit dem Auskleiden begonnen. Aus diesem Grund hat sie die leichten Abwehrreaktionen (unmerkliches Verkrampfen, Wegdrehen) der alten Dame nicht bemerkt. Die Mitarbeiterin war im Anschluss davon überzeugt, dass Frau Ferbers Kneifattacke aus heiterem Himmel geschehen sei.

3. Suchen Sie die Ursachen und Beweggründe Ihres Pflegekunden

Das Verhalten Ihres Pflegekunden hat immer eine Ursache und einen Beweggrund. Möglicherweise kommen verschiedenen Faktoren zusammen. Beantworten Sie folgende Fragen:

  • Gibt es körperliche Ursachen, die das Verhalten Ihres Pflegekunden beeinträchtigen?
 Beispiel: Mögliche körperliche Ursachen sind etwa zu hoher oder zu niedriger Blutdruck, Über­ oder Unterzuckerung, Fieber, Schmerzen, Durst oder Hunger.
  • Was ist im Laufe des Tages geschehen? Gab es Zwischenfälle? Beispiel: Die Ehefrau des demenziell veränderten Herrn Horn hat den ganzen Tag versucht, Herrn Horn zur Mithilfe im Haushalt zu bewegen, und ihm dabei jede Fehlhandlung vorgeworfen.
  • Wie würden Sie die Situation aus Sicht Ihres Pflegekunden mit seinen kognitiven Fähigkeiten einschätzen? Beispiel: Der demenziell veränderte Pflegekunde Herr Heinrich fühlt sich jung und leistungsfähig. Daher begreift er nicht, dass er nicht allein spazieren gehen soll.
  • Welche biografischen Informationen erklären das Verhalten Ihres Pflegekunden? 
Beispiel: Herr Heinrich hat immer viel Zeit an der frischen Luft verbracht.

4. Stellen Sie einen guten Kontakt her

Gehen Sie auf die Gefühle Ihres Pflegekunden ein. Dies kennen Sie möglicher­ weise aus der Validationsmethode. Spiegeln Sie die Gefühle Ihres Pflegekunden verbal und nonverbal. Ziel ist es, dass er sich verstanden fühlt.

Beispiel: Herr Mayer will alle Mitbewohner aus dem Haus werfen. Er geht drohend auf sie zu und sagt: „Ich kenne euch alle nicht. Macht bloß, dass ihr Land gewinnt.“ Die Mitarbeiterin tritt langsam neben ihn, sucht seinen Blick und sagt in ähnlich ärgerlichem Ton: „Die sollen alle schleunigst abhauen?“ Herr Mayer blickt sie erstaunt an und nickt. Im weiteren Gesprächsverlauf beruhigt sich Herr Mayer wieder.

Hinweis: In diesem Beispiel kann die Mitarbeiterin Herrn Mayer problemlos beruhigen, da sie schon zuvor eine gute Beziehung zu ihm aufgebaut hat.

5. Schützen Sie sich

Sie müssen körperliche Übergriffe von Pflegekunden nicht hinnehmen. Sie dürfen sich schützen, müssen dabei aber in Ihrer Reaktion angemessen bleiben.

Beispiel: Wenn Ihr Pflegekunde Ihnen eine Ohrfeige geben will, dürfen Sie aus­ weichen. Sie dürften ihm jedoch nicht den Arm herumdrehen und schmerzhaft fixieren. Befreiungstechniken müssen Sie regelrecht in einer Schulung erlernen, um sie sicher anwenden zu können.

Fazit: Hinterfragen Sie

Wenn Pflegekunden sich übergriffig verhalten, bedenken Sie, dass viele Faktoren hierzu führen können. Am besten ist es daher, dass Sie schon im Vorfeld reagieren. Hinterfragen Sie die Strukturen Ihrer Einrichtung/Ihres Pflegedienstes, aber auch Ihr eigenes Verhalten. Versuchen Sie, Ihren Pflegekunden kennenzulernen und sein Verhalten zu verstehen. Auf die­ se Weise bauen Sie eine tragfähige Beziehung zu ihm auf. Je sicherer und selbstbestimmter sich Ihre Pflegekunden fühlen, desto besser können Sie Eskalationen vermeiden.

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